Nahaufnahme von heimischen Erbsen und Ackerbohnen als Proteinfutter für Mastschweine in Deutschland
Veröffentlicht am April 22, 2024

Der Umstieg von importiertem Soja auf heimische Leguminosen ist mehr als eine Kostenfrage – es ist der Aufbau eines resilienten Systems, das Ihren Betrieb unabhängiger und profitabler macht.

  • Die richtige Anbautechnik minimiert Risiken wie Lager und Unkrautdruck bei Ackerbohnen und Erbsen.
  • Eine gezielte thermische Behandlung macht die Körner für Schweine hochverdaulich und leistungsstark.
  • Der Anbau verbessert nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, sondern sichert auch aktiv Ihre Marge gegen Preisschwankungen am Weltmarkt.

Empfehlung: Beginnen Sie damit, den Anbau von Ackerbohnen als Vorfrucht für den Weizen zu planen, um den positiven Effekt auf Ertrag und N-Bilanz direkt zu nutzen.

Die Abhängigkeit von Soja-Importen aus Übersee stellt viele Veredelungsbetriebe in Deutschland vor eine wiederkehrende Herausforderung: unkalkulierbare Preisschwankungen und eine wachsende Unsicherheit in den Lieferketten. Die Futterkosten explodieren, während die Erlöse für die Tiere kaum Schritt halten. Viele Landwirte denken daher über Alternativen nach und landen schnell bei heimischen Eiweisspflanzen wie Ackerbohnen oder Futtererbsen. Oft wird der Umstieg jedoch als reiner 1:1-Austausch missverstanden, bei dem lediglich eine Proteinquelle durch eine andere ersetzt wird.

Dieser Ansatz greift zu kurz. Die wahre Stärke liegt nicht im blossen Ersetzen, sondern im Aufbau einer echten systemischen Resilienz für Ihren gesamten Betrieb. Es geht darum, die Kontrolle zurückzugewinnen – über die Fruchtfolge, die Futterration und letztendlich über Ihre Marge. Doch wenn der Schlüssel nicht im simplen Austausch liegt, wie sieht der strategische Weg zu mehr Eiweissautarkie dann aus? Die Antwort ist ein integriertes System, das die Risiken im Anbau bewusst steuert, die Potenziale in der Fütterung voll ausschöpft und die Wirtschaftlichkeit gezielt absichert.

Dieser Artikel führt Sie als Ihr persönlicher Anbau- und Fütterungsberater durch genau dieses System. Wir betrachten nicht nur die einzelnen Puzzleteile, sondern zeigen, wie sie ineinandergreifen – von der Saat bis zur Schlachtung. Sie werden lernen, wie Sie anbautechnische Hürden meistern, die Futterration für Ihre Mastschweine optimieren und so eine stabile Margen-Souveränität erreichen, die Sie ruhiger schlafen lässt, ganz gleich, was am Weltmarkt passiert.

Wie verhindern Sie das Lager von Ackerbohnen kurz vor der Ernte?

Eine der grössten Sorgen beim Ackerbohnenanbau ist das gefürchtete Lager kurz vor der Ernte. Ein umgeknickter Bestand bedeutet nicht nur massive Ernteverluste, sondern auch eine erhebliche Qualitätsminderung des Ernteguts. Viele Landwirte reagieren darauf intuitiv mit geringeren Saatstärken, um den einzelnen Pflanzen mehr Platz und Standfestigkeit zu geben. Doch die Forschung zeigt, dass genau das Gegenteil der richtige Weg sein kann, um das Risiko zu managen und den Ertrag zu maximieren.

Die bewusste Steuerung der Bestandesdichte ist ein zentraler Hebel für die Risikokontrolle im Anbau. Es geht darum, einen Kompromiss zwischen maximalem Ertragspotenzial und optimaler Standfestigkeit zu finden. Ein zu dünner Bestand schliesst die Reihen zu langsam und fördert die Verunkrautung, während ein optimal geführter, dichter Bestand sich selbst stabilisiert.

Eine vierjährige Versuchsserie der UFOP hat den Einfluss der Saatstärke auf Ertrag und Standfestigkeit untersucht. Hier wurde gezeigt, dass eine Erhöhung der Saatstärke von 35 auf 45 keimfähige Körner pro Quadratmeter nicht zu einer erhöhten Lagerneigung führte. Im Gegenteil: Die Bestände zeigten eine gute bis sehr gute Standfestigkeit. Gleichzeitig führte diese höhere Dichte zur höchsten bereinigten Marktleistung. Anstatt das Lagerrisiko zu erhöhen, stabilisiert ein dichterer, gut etablierter Bestand sich gegenseitig und unterdrückt gleichzeitig den Unkrautdruck – ein erster Schritt in der Anbau-Fütterungs-Kette zur Absicherung Ihres Erfolgs.

Wie viel Erbse verträgt das Mastschwein, ohne dass die Leistung einbricht?

Nach der erfolgreichen Ernte stellt sich die entscheidende Frage für die Anbau-Fütterungs-Kette: Wie viel der heimischen Proteinquelle kann nun tatsächlich in die Ration, ohne die Leistung der Mastschweine zu gefährden? Futterverweigerung oder sinkende Tageszunahmen sind die Hauptbedenken. Die gute Nachricht ist, dass Erbsen, richtig eingesetzt, eine hervorragende Komponente in der Schweinemast sind und Sojaextraktionsschrot effektiv ersetzen können.

Die Fachliteratur gibt hier klare Empfehlungen. So liegt der empfohlene Einsatzbereich für Futtererbsen laut diversen Quellen bei 10-20% in der Gesamtration für Mastschweine. Innerhalb dieses Rahmens sind bei einer ansonsten ausgewogenen Ration in der Regel keine Leistungseinbussen zu erwarten. Entscheidend ist die schrittweise Anpassung der Ration, um den Verdauungstrakt der Tiere an die neue Komponente zu gewöhnen und die Akzeptanz sicherzustellen.

Die Praxiserfahrungen vieler Betriebe in Deutschland bestätigen diese wissenschaftlichen Empfehlungen und zeigen, dass oft sogar noch mehr möglich ist. Die Umstellung erfordert Fingerspitzengefühl, belohnt aber mit einer deutlichen Reduzierung der Futterkosten und einer höheren Unabhängigkeit. Ein Praktiker berichtet hierzu von seinen sehr positiven Erfahrungen:

Ich füttere schon über ein Jahr intensiv in der Vormast 12 Prozent und in der Endmast 15 Prozent mit Erbsen. Könnte mich nicht über Futterverweigerung beklagen. Muskelfleischanteile haben sich nur unwesentlich verändert und die Zunahmen passen auch.

– Praktiker, via landwirt.com

Diese Erfahrungen zeigen, dass die Integration von Erbsen in die Mastschweinefütterung bei sorgfältiger Rationsplanung ein sicherer und profitabler Weg ist, um die Abhängigkeit von importiertem Soja zu reduzieren.

Warum Sie heimische Leguminosen oft thermisch behandeln müssen, um sie fütterbar zu machen

Selbst wenn die Ernte ertragreich und die Rationsplanung abgeschlossen ist, gibt es eine weitere Hürde zu überwinden: die antinutritiven Inhaltsstoffe (ANF). Körnerleguminosen wie Ackerbohnen und Erbsen enthalten von Natur aus Substanzen, beispielsweise Trypsininhibitoren, die die Proteinverdauung hemmen und so die Leistung der Tiere beeinträchtigen können. Insbesondere für monogastrische Tiere wie Schweine und Geflügel ist dies ein kritischer Punkt. Eine thermische Behandlung ist daher oft kein „Kann“, sondern ein „Muss“, um das volle Nährstoffpotenzial der heimischen Eiweissträger freizusetzen.

Durch gezielte Einwirkung von Wärme, Druck und Feuchtigkeit werden diese ANF weitgehend inaktiviert. Gleichzeitig wird die Stärke aufgeschlossen und die Verdaulichkeit des Proteins signifikant verbessert. Untersuchungen der LWK Niedersachsen haben beispielsweise gezeigt, dass bei Blauen Lupinen durch eine thermische Behandlung der UDP-Anteil (im Pansen unabbaubares Protein) um circa 10% gesteigert werden konnte. Dieser Effekt ist auch für die Schweinefütterung relevant, da er die Verfügbarkeit der Aminosäuren im Dünndarm erhöht. Es gibt verschiedene Verfahren, die sich in ihrer Wirkungsweise und Eignung unterscheiden, wie die folgende Übersicht zeigt.

Vergleich thermischer Aufbereitungsverfahren
Verfahren Temperaturbereich Wirkung auf antinutritive Stoffe Eignung für
Toasten (hydrothermisch) 75-105°C Reduktion von Trypsininhibitoren, schonend für Proteine Soja, Ackerbohnen, Erbsen (Schweine/Geflügel)
Extrudieren (druckthermisch) Hoher Druck + Hitze Starke Reduktion antinutritiver Faktoren, Stärkeaufschluss Alle Leguminosen, besonders Soja
Expandieren Mittlere Temperaturen Moderater Aufschluss, bessere Verdaulichkeit Gemischte Rationen

Die Wahl des richtigen Verfahrens hängt von der jeweiligen Leguminose und der Ziel-Tierart ab. Das Toasten ist ein besonders schonendes und verbreitetes Verfahren für Ackerbohnen und Erbsen in der Schweinefütterung. Die Investition in eine solche Behandlung – ob am eigenen Hof oder über einen Dienstleister – ist ein entscheidender Schritt, um die Futtereffizienz zu maximieren und die biologische Wertigkeit der heimischen Proteine auf das Niveau von Sojaextraktionsschrot anzuheben.

Warum der Weizen nach Ackerbohnen oft Rekorderträge bringt

Die Vorteile des Leguminosenanbaus enden nicht mit der Ernte. Ganz im Gegenteil: Einer der grössten wirtschaftlichen Trümpfe entfaltet sich erst in der Folgesaison. Der Anbau von Ackerbohnen oder Erbsen hinterlässt einen Boden in hervorragendem Zustand, was sich direkt in den Erträgen der Folgekultur, meist Winterweizen, niederschlägt. Dieser sogenannte Vorfruchtwert ist ein zentraler Baustein der systemischen Resilienz und verbessert die Profitabilität des gesamten Anbausystems.

Der positive Effekt hat mehrere Ursachen. Zum einen hinterlassen Leguminosen eine tiefe, stabile Bodenstruktur durch ihre Pfahlwurzeln, was die Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit für die Folgefrucht verbessert. Zum anderen, und das ist der entscheidende Punkt, binden sie Luftstickstoff im Boden. Ein Teil dieses Stickstoffs steht der nachfolgenden Kultur zur Verfügung. Über die Wurzelrückstände werden im Durchschnitt circa 25-30 kg N/ha für die Folgekultur mobilisiert. Das bedeutet eine direkte Einsparung bei der mineralischen Düngung und somit eine Reduzierung der Produktionskosten. Dieser Gesamteffekt ist so signifikant, dass er sich klar beziffern lässt. So wurde in einer wissenschaftlichen Untersuchung für konventionell angebaute Ackerbohnen ein Vorfruchtwert von rund 168 Euro pro Hektar ermittelt.

Diese Zahl macht deutlich: Die Wirtschaftlichkeit des Leguminosenanbaus darf nicht isoliert betrachtet werden. Der monetäre Vorteil durch den Vorfruchtwert muss in die Kalkulation einbezogen werden. Er macht den Anbau oft auch dann noch rentabel, wenn der reine Ertrag der Leguminose selbst einmal unter den Erwartungen liegen sollte. Der Anbau von Ackerbohnen ist somit nicht nur eine Massnahme zur Futterproduktion, sondern eine Investition in die Fruchtbarkeit und Ertragskraft Ihrer Flächen für die kommenden Jahre.

Das Problem der lückigen Bestände: Wie halten Sie Erbsen unkrautfrei?

Ein weiteres kritisches Anbaurisiko ist die langsame Jugendentwicklung von Körnererbsen. Die Bestände schliessen die Reihen nur zögerlich, was Unkräutern ideale Wachstumsbedingungen bietet. Ein starker Unkrautdruck führt zu Ertragseinbussen durch Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe. Eine rein chemische Strategie ist oft nicht ausreichend oder im Sinne einer integrierten Produktion nicht immer erwünscht. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer Kombination aus präventiven und mechanischen Massnahmen, um dem Unkraut von Anfang an einen Schritt voraus zu sein.

Eine effektive Unkrautregulierung beginnt bereits vor der Aussaat. Durch die Anlage eines „falschen Saatbetts“ können erste Unkrautwellen zum Keimen angeregt und anschliessend mechanisch beseitigt werden. Auch die Wahl der Sorte und der Reihenabstand spielen eine wichtige Rolle. Sorten mit schneller Jugendentwicklung und engere Reihenabstände sorgen für eine raschere Bodenbedeckung und unterdrücken so das Unkraut auf natürliche Weise.

Ihr Aktionsplan für saubere Erbsenbestände

  1. Falsches Saatbett anlegen: Regen oder Bewässerung abwarten, Unkräuter keimen lassen und vor der eigentlichen Saatbettbereitung flach mechanisch beseitigen.
  2. Blindstriegeln nutzen: Durch eine tiefe Saat der Erbsen (6-8 cm) ist der Striegeleinsatz vor dem Auflaufen der Kulturpflanzen eine sichere und hocheffektive Massnahme gegen keimende Unkräuter.
  3. Reihenabstände optimieren: Wählen Sie engere Abstände (z.B. 12,5 cm) für eine schnelle Bodenbedeckung oder weitere Abstände (bis 45 cm), wenn Sie später mit der Hacke arbeiten wollen.
  4. Wüchsige Sorten wählen: Bevorzugen Sie bei der Sortenwahl Typen, die für eine zügige Jugendentwicklung und eine gute Standfestigkeit bekannt sind.
  5. Untersaaten prüfen: Der Einsatz von niedrig wachsenden Gräsern wie Weidelgras als Untersaat kann den Boden bedeckt halten und späte Verunkrautung unterdrücken.

Fallbeispiel: Gemengeanbau zur Unkrautunterdrückung

Eine besonders elegante Methode der integrierten Unkrautregulierung ist der Gemengeanbau. Hierbei wird die Erbse zusammen mit einer Stützfrucht wie Hafer oder bei Wintererbsen mit Triticale angebaut. Die Stützfrucht übernimmt zwei wichtige Funktionen: Sie gibt den rankenden Erbsen Halt und verbessert so die Standfestigkeit des gesamten Bestandes. Gleichzeitig sorgt sie für eine deutlich schnellere und dichtere Bodenbedeckung, was den Unkrautdruck wirksam reduziert. Dieser Ansatz verwandelt das Problem der langsamen Jugendentwicklung in einen systemischen Vorteil.

Soja oder Kichererbse: Welche Exoten funktionieren nördlich der Alpen wirklich?

Auf der Suche nach Alternativen zum Soja-Import rücken neben den etablierten heimischen Leguminosen wie Ackerbohne und Erbse auch exotischere Kulturen in den Fokus. Insbesondere die Sojabohne selbst wird zunehmend in Deutschland angebaut, während auch die Kichererbse als mögliche Option für trockene Standorte diskutiert wird. Doch wie realistisch ist der Anbau dieser wärmeliebenden Pflanzen in den meisten Regionen Deutschlands wirklich?

Der Sojaanbau hat in den letzten Jahren tatsächlich eine beachtliche Entwicklung genommen. Begünstigt durch den Klimawandel und züchterische Fortschritte bei frühreifen Sorten ist der Anbau vor allem in den wärmeren Regionen Süd- und Ostdeutschlands wirtschaftlich interessant geworden. Im Jahr 2022 wurden Sojabohnen auf 51.400 Hektar in Deutschland angebaut. Dies zeigt, dass Soja unter den richtigen Bedingungen eine heimische Alternative sein kann, jedoch stellt sie hohe Ansprüche an Wärme und Wasserversorgung und ist nicht für jeden Standort geeignet.

Die Kichererbse hingegen ist noch deutlich stärker in der Nische. Sie hat einen extrem hohen Wärmebedarf und eine sehr lange Vegetationszeit, was einen erfolgreichen Anbau nördlich der Alpen zu einem hohen Risiko macht. Spätfröste, unzureichende Wärmesummen und die Abreife im Herbst sind erhebliche Hürden. Während sie in Zukunft auf extrem trockenen und heissen Standorten eine Rolle spielen könnte, ist sie aktuell für die meisten deutschen Betriebe keine verlässliche Option für die Eiweissautarkie.

Für die grosse Mehrheit der Veredelungsbetriebe bleiben Ackerbohnen und Erbsen daher die strategisch sicherste und flexibelste Wahl. Sie sind an das hiesige Klima angepasst, ihre Anbautechnik ist erprobt und sie bieten eine verlässliche Basis für den Aufbau einer resilienten Anbau-Fütterungs-Kette.

Soja und Getreide vorab sichern oder tagesaktuell kaufen: Was schont die Liquidität?

Die Entscheidung für den Eigenanbau von Eiweisspflanzen ist auch eine Entscheidung über die Liquiditätssteuerung Ihres Betriebs. Der Zukauf von Futtermitteln wie Sojaextraktionsschrot oder Getreide bindet tagesaktuell oder kurzfristig Kapital. Der Anbau hingegen ist eine langfristige Investition: Die Kosten für Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz fallen Monate vor der Ernte und dem eigentlichen Nutzen im Futtertrog an. Wie können Sie also bewerten, welcher Weg Ihre Liquidität am besten schont?

Der Schlüssel liegt in der Berechnung des Gleichgewichtspreises. Dieser Preis gibt an, wie viel Ihre selbst erzeugte Ackerbohne oder Erbse kosten dürfte, um im Vergleich zum Zukauf von Soja und Getreide in der Ration wirtschaftlich gleichwertig zu sein. Er ist Ihr persönlicher Referenzwert, der Ihnen hilft, strategische Entscheidungen zu treffen. Wenn der Marktpreis für Ackerbohnen unter Ihrem Gleichgewichtspreis liegt, ist der Zukauf eine überlegenswerte Option. Liegt er darüber, ist der Eigenanbau klar im Vorteil.

Die Landwirtschaftskammer hat hierzu Beispielrechnungen angestellt: Bei einem Weizenpreis von 19 Euro/dt und Sojaextraktionsschrot zu 33 Euro/dt ergibt sich für konventionelle Ackerbohnen ein Gleichgewichtspreis von 26,10 Euro/dt. Dieser Wert muss nun mit Ihren eigenen Produktionskosten für Ackerbohnen verglichen werden. Vergessen Sie dabei nicht, den erheblichen Vorfruchtwert (siehe Abschnitt 4) in Ihre Kalkulation mit einzubeziehen, denn dieser senkt die relativen Produktionskosten Ihrer Leguminosen erheblich.

Der Eigenanbau mag initial die Liquidität stärker binden, aber er schützt Sie vor den unkalkulierbaren Preisausschlägen am Weltmarkt. Sie tauschen ein externes Preisrisiko gegen ein internes, managebares Anbaurisiko ein. Diese Form des Risikotransfers ist das Herzstück der Margen-Souveränität und gibt Ihnen die Kontrolle über einen der grössten Kostenblöcke zurück.

Das Wichtigste in Kürze

  • Systemischer Ansatz: Der Ersatz von Soja ist keine Einzelmassnahme, sondern ein integriertes System aus Anbau, Fütterung und Finanzen.
  • Anbaurisiken managen: Risiken wie Lager bei Bohnen oder Unkraut bei Erbsen sind durch angepasste agronomische Techniken (z.B. Saatstärke, Gemengeanbau) beherrschbar.
  • Vorfruchtwert als Gewinn: Der positive Effekt auf die Folgefrucht (z.B. Weizen) ist ein direkter wirtschaftlicher Gewinn und muss in die Gesamtkalkulation einfliessen.
  • Verarbeitung ist entscheidend: Die thermische Behandlung (z.B. Toasten) ist notwendig, um antinutritive Stoffe zu reduzieren und die volle Proteinverfügbarkeit für Schweine zu erschliessen.

Wie sichern Sie Ihre Marge, wenn die Futterkosten schneller steigen als der Schweinepreis?

Die grösste Bedrohung für die Rentabilität in der Veredelung ist die sogenannte Preisschere: Die Futterkosten steigen, aber die Erzeugerpreise für Schweinefleisch ziehen nicht im gleichen Masse mit. Ihre Marge wird von zwei Seiten in die Zange genommen. Der Eigenanbau von Körnerleguminosen ist der wirksamste Hebel, um aus dieser Zange auszubrechen und Ihre Margen-Souveränität zurückzugewinnen. Er entkoppelt einen wesentlichen Teil Ihrer Produktionskosten von der Volatilität des globalen Marktes.

Der Effekt ist direkt messbar. Jeder Kilogramm Sojaschrot, den Sie durch selbst erzeugte Erbsen oder Ackerbohnen ersetzen, ist ein Kilogramm weniger, das Sie zu schwankenden Weltmarktpreisen einkaufen müssen. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch die Verfütterung von Erbsen rund 7,3 kg Sojaschrot je Mastschwein eingespart werden können. Multipliziert mit Ihrem jährlichen Durchsatz ergibt sich hier ein enormes Einsparpotenzial und eine massive Risikoreduktion. Sie machen Ihre Futterkostenkalkulation wieder planbar.

Fallstudie: Wirtschaftlichkeit durch GVO-freie Fütterung

Eine Versuchsreihe der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft hat gezeigt, dass die Fütterung mit heimischen Leguminosen und Rapsextraktionsschrot eine wirtschaftlich interessante Alternative darstellt, insbesondere wenn die Mehrkosten durch GVO-freie Programme honoriert werden. Betriebe, die an solchen Programmen teilnehmen, können durch den Umstieg nicht nur ihre Kosten senken, sondern auch höhere Erlöse für ihre Produkte erzielen. Dies zeigt, dass die Eiweissautarkie nicht nur eine Kosten-, sondern auch eine Erlösstrategie sein kann. Bei korrekter Anpassung des Mineralfutters bleiben zudem die Nährstoffausscheidungen im akzeptablen Rahmen, was die Nachhaltigkeit des Systems unterstreicht.

Die Entscheidung für heimische Eiweisspflanzen ist somit die strategische Antwort auf die Preisschere. Sie sichern nicht nur Ihre Futtergrundlage, sondern stabilisieren aktiv Ihre Betriebsergebnisse. Es ist der definitive Schritt von der reaktiven Kostenminimierung hin zur proaktiven Gestaltung Ihrer eigenen Profitabilität.

Beginnen Sie noch heute damit, den Anbau von Körnerleguminosen als festen Bestandteil Ihrer Fruchtfolge zu etablieren und übernehmen Sie die Kontrolle über Ihre Futterkosten und Ihre Marge.

Geschrieben von Johannes Eckert, Johannes Eckert ist Diplom-Ingenieur (FH) für Tierproduktion mit über 20 Jahren Erfahrung im Stallmanagement und der Futteroptimierung. Er berät Mast- und Milchviehbetriebe bei der Rationsgestaltung, dem Tierwohl-Stallbau und der Einhaltung von Immissionsschutzvorgaben. Sein Fokus liegt auf Leistungssicherung bei gleichzeitiger Kostensenkung.