Maisfeld mit grüner Grasuntersaat zwischen den Maisreihen für Bodenschutz und Erosionsminderung
Veröffentlicht am Mai 21, 2024

Zusammenfassend:

  • Der Erfolg der Grasuntersaat hängt vom perfekten Aussaattermin ab – typischerweise im 6- bis 8-Blattstadium des Maises, um Konkurrenz zu vermeiden.
  • Die Kombination der Aussaat mit Pflegemassnahmen wie Hacken oder Gülleeinarbeitung spart einen Arbeitsgang und sichert den Aufgang.
  • Eine angepasste Herbizidstrategie ist entscheidend: Gräserwirksame Mittel müssen rechtzeitig und in reduzierter Aufwandmenge eingesetzt werden, um die Untersaat nicht zu schädigen.
  • Die Untersaat ist mehr als nur Erosionsschutz; sie ist ein wirtschaftlicher Hebel zur Nährstoffbindung, Humusbildung und kann als zusätzliche Futterquelle oder zur Biogasgewinnung dienen.

Für viele Maisanbauer in Deutschland ist die Etablierung einer winterlichen Bodenbedeckung längst keine Kür mehr, sondern eine betriebliche Notwendigkeit, getrieben durch die Vorgaben der GAP und den Wunsch, Nitratauswaschung und Erosion zu verhindern. Die übliche Reaktion ist oft die Aussaat einer Zwischenfrucht nach der Maisernte – ein zusätzlicher Arbeitsgang in einem ohnehin engen Zeitfenster im Herbst. Doch diese Herangehensweise behandelt nur die Symptome und lässt ein enormes Potenzial ungenutzt, das direkt unter den Maispflanzen schlummert.

Die gängige Meinung sieht in der Grasuntersaat vor allem eine technische Herausforderung: die Angst vor Ertragseinbussen durch Wasserkonkurrenz, die Sorge vor einer komplizierten Unkrautbekämpfung oder die Unsicherheit bei der Wahl der richtigen Technik und des passenden Saatguts. Doch was wäre, wenn wir die Grasuntersaat nicht als eine weitere Pflichtaufgabe, sondern als einen strategischen Hebel betrachten? Einen Hebel, um den Maisanbau von einer reinen Monokultur in ein multifunktionales, resilienteres und letztlich profitableres System zu verwandeln. Es geht nicht nur darum, den Boden zu bedecken, sondern darum, die Wertschöpfung pro Hektar neu zu definieren.

Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Praxisschritte, um eine Grasuntersaat erfolgreich zu etablieren. Wir beleuchten nicht nur das „Wie“, sondern vor allem das „Warum“ hinter jeder Entscheidung – vom optimalen Zeitpunkt über die passende Technik bis hin zur intelligenten Herbizidstrategie. Ziel ist es, Ihnen ein klares Verständnis dafür zu vermitteln, wie Sie die Untersaat zu einem integralen und gewinnbringenden Bestandteil Ihres Anbausystems machen.

Um Ihnen einen klaren Überblick über die strategischen Aspekte der Grasuntersaat im Mais zu geben, haben wir die wichtigsten Themen für Sie strukturiert. Der folgende Leitfaden begleitet Sie Schritt für Schritt von der Planung bis zur Nutzung und zeigt auf, wie aus einer agronomischen Technik ein wirtschaftlicher Vorteil wird.

Der perfekte Termin für die Untersaat: Zu früh kostet Ertrag, zu spät bringt nichts

Die Wahl des richtigen Aussaatzeitpunkts ist der entscheidende Balanceakt bei der Etablierung einer Grasuntersaat. Ziel ist es, dem Gras genügend Zeit und Licht für die Etablierung zu geben, bevor der Mais die Reihen schliesst, ohne jedoch die Hauptkultur durch Wasser- und Nährstoffkonkurrenz in ihrer kritischen Jugendentwicklung zu schwächen. Eine zu frühe Saat, wenn der Mais noch klein ist, führt fast unweigerlich zu Ertragseinbussen. Eine zu späte Saat hingegen riskiert, dass die Grassamen im Schatten des dichten Maisbestandes nicht mehr ausreichend Licht zum Keimen und Wachsen bekommen und der gewünschte Effekt verpufft.

Als Faustregel hat sich die Aussaat im 6- bis 8-Blattstadium des Maises bewährt. Zu diesem Zeitpunkt hat der Mais eine Wuchshöhe von etwa 50 bis 70 cm erreicht und ist robust genug, um die kurzzeitige Konkurrenz durch die keimende Untersaat zu tolerieren. Die reguläre Maisaussaat erfolgt in Deutschland in der Regel von Mitte April bis Mitte Mai bei einer Bodentemperatur von 8-10°C, was das Zeitfenster für die Untersaat meist in den Juni legt. Entscheidend für den Erfolg ist eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit, damit die Grassamen zügig keimen und sich etablieren können, bevor der Maisbestand sich komplett schliesst.

Zudem muss der Zeitpunkt auf die Herbizidstrategie abgestimmt sein. Eventuelle Behandlungen mit gräserwirksamen Sulfonylharnstoffen sollten mindestens 10 bis 14 Tage vor der Untersaat-Aussaat abgeschlossen sein, um Schäden an den empfindlichen Keimlingen zu vermeiden. Der ideale Termin ist also kein starres Datum, sondern ein dynamisches Zeitfenster, das von der Maisentwicklung, der Witterung und den vorangegangenen Pflegemassnahmen abhängt.

Welche Technik bringt das Gras sicher zwischen die Reihen?

Nachdem der optimale Zeitpunkt bestimmt ist, stellt sich die Frage nach der effizientesten Ausbringungstechnik. Die Methode muss zwei Kriterien erfüllen: eine gleichmässige Verteilung des Saatguts gewährleisten und idealerweise keinen zusätzlichen Arbeitsgang erfordern. In der Praxis haben sich mehrere Verfahren bewährt, die sich in Präzision, Kosten und Kombinierbarkeit unterscheiden. Die Wahl der richtigen Technik ist ein zentraler Baustein, um die Untersaat wirtschaftlich in den Betriebsablauf zu integrieren.

Das einfachste Verfahren ist die breitflächige Ausbringung mit einem Pneumatikstreuer, der oft auf der Fronthydraulik des Traktors montiert ist. Diese Methode ist flexibel und schnell, erfordert aber eine höhere Saatstärke, da nicht alle Samen den idealen Bodenkontakt finden. Eine deutlich präzisere und saatgutsparende Alternative ist die Kombination der Aussaat mit einer ohnehin notwendigen Pflegemassnahme. Hier hat sich besonders die kombinierte Ausbringung mit einer Hackmassnahme bewährt. Dabei werden Säröhrchen hinter die Hackschare montiert, die das Saatgut direkt in den feuchten, bearbeiteten Boden ablegen. Dies sichert einen schnellen Aufgang und ermöglicht eine Reduzierung der Saatmenge.

Eine weitere sehr effiziente Methode, die vor allem in Veredelungsregionen an Bedeutung gewinnt, ist die Kombination mit der Gülledüngung. Hier wird das Saatgut entweder in den Güllestrom eingemischt oder über einen Streuer direkt vor dem Gülleverteiler ausgebracht. Besonders die Einarbeitung mit Schleppschuh- oder Schlitzverteilern sorgt für einen exzellenten Bodenschluss und eine Nährstoffversorgung „vor der Haustür“ des Keimlings. Diese kombinierten Verfahren sind der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit, da sie den Mehraufwand für die Untersaat minimieren und gleichzeitig deren Etablierung optimieren.

Weidelgras oder Rotschwingel: Welche Art überlebt den Schatten im Maisbestand?

Die Wahl der richtigen Grasart ist entscheidend für den Erfolg der Untersaat. Die Pflanze muss zwei scheinbar widersprüchliche Eigenschaften vereinen: Sie muss schattentolerant genug sein, um unter dem sich schliessenden Maisdach zu überleben, darf aber gleichzeitig nicht zu konkurrenzstark sein, um den Maisertrag zu gefährden. Darüber hinaus spielt das Anbauziel eine wichtige Rolle: Soll die Untersaat primär den Boden bedecken, als Futter genutzt oder zur Biogaserzeugung herangezogen werden?

Für die meisten Anwendungszwecke hat sich Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) als Standard etabliert. Es ist relativ schattenverträglich, bildet schnell eine dichte Narbe und unterdrückt so effektiv Unkräuter. Nach der Maisernte nutzt es das verbleibende Licht und die Nährstoffe im Herbst sehr gut für die weitere Entwicklung. Für Betriebe, die eine Futter- oder Biogasnutzung im Folgefrühjahr anstreben, sind spätreifende Sorten des Deutschen Weidelgrases ideal. Eine besondere Rolle spielt auch das Welsche Weidelgras (Lolium multiflorum), das sehr massewüchsig ist, aber eine geringere Winterhärte besitzt und daher in milderen Regionen oder bei gewünschtem Abfrieren eine Option darstellt.

Eine interessante Alternative, insbesondere auf leichteren Böden und bei geringerer Nährstoffversorgung, ist der Rotschwingel (Festuca rubra). Er ist noch schattentoleranter und anspruchsloser als Weidelgras, entwickelt sich aber langsamer und ist weniger konkurrenzstark. Dies macht ihn zu einem sehr sicheren Partner für den Mais, erfordert aber eine frühere Aussaat, um eine ausreichende Bodenbedeckung zu erzielen. Unabhängig von der Art leisten die Gräser einen wertvollen Beitrag zur Nährstoffkonservierung. Gut etablierte Bestände sind in der Lage, überschüssigen Stickstoff effizient zu nutzen. Schätzungen zufolge binden Gräser bis zur Maisernte 40 bis 60 kg N/ha, die so vor der Auswaschung im Winter geschützt und dem System erhalten bleiben.

Wie Sie Unkraut bekämpfen, ohne die empfindliche Untersaat abzutöten

Die Unkrautbekämpfung ist zweifellos die grösste Herausforderung bei der Integration einer Grasuntersaat. Eine unzureichende Kontrolle von Unkräutern und Ungräsern kann den Maisertrag empfindlich schmälern, während eine zu aggressive Herbizidstrategie die Untersaat schädigt oder komplett vernichtet. Der Schlüssel liegt in einer vorausschauenden Planung und der Wahl von Wirkstoffen, die für die Untersaat verträglich sind. Das Ziel ist, den Mais bis zum Reihenschluss unkrautfrei zu halten, damit er seinen Wuchsvorsprung voll ausspielen kann.

Die Strategie basiert auf einer Behandlung im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf des Maises, lange vor der Aussaat des Grases. Bodenherbizide können dabei eine wichtige Rolle spielen, müssen aber in ihrer Aufwandmenge stark reduziert werden. Der Einsatz von mehr als 30 Prozent der zugelassenen Menge kann zu erheblichen Schäden an der späteren Untersaat führen. Bei den Blattherbiziden gibt es eine Reihe verträglicher Optionen. Wirkstoffe wie Nicosulfuron (z.B. in B 235) oder Prosulfuron (Peak) sind gut geeignet. Auch Dicamba-haltige Produkte (z.B. Arrat, Mais Banvel) können eingesetzt werden. Zur Bekämpfung von Hirsearten ergänzen Triketone wie Sulcotrione (Sulcogan), Mesotrione (Callisto) oder Tembotrione (Laudis) die Palette.

Absolut unverträglich für Grasuntersaaten sind hingegen Produkte wie Maister Power. Es ist unerlässlich, eine Wartezeit von mindestens zwei bis drei Wochen zwischen der letzten Herbizidanwendung und der Grasaussaat einzuhalten. In der Praxis zeigt sich zudem, dass die Untersaat selbst zur Unkrautkontrolle beiträgt. Ein Landwirt berichtet von seinen Erfahrungen mit Klee- und Grasuntersaaten: „Durch die Untersaat von Gräsern konnten Unkräuter zu 20 bis 80 Prozent unterdrückt werden.“ Dieser Effekt der Lebendmulch-Systeme reduziert den Unkrautdruck im Spätsommer und Herbst erheblich.

Checkliste zur Herbizidstrategie bei Grasuntersaat

  1. Wirkstoff-Verträglichkeit prüfen: Stellen Sie sicher, dass alle geplanten Herbizide für Grasuntersaaten zugelassen und verträglich sind. Produkte wie Maister Power sind tabu.
  2. Aufwandmengen anpassen: Reduzieren Sie die Aufwandmenge von Bodenherbiziden auf maximal 30 % der zugelassenen Menge, um Schäden an der keimenden Untersaat zu vermeiden.
  3. Wartezeiten einhalten: Planen Sie einen Puffer von mindestens 14, besser 21 Tagen zwischen der letzten Herbizid-Anwendung und dem Aussaattermin der Gräser ein.
  4. Behandlungszeitpunkt optimieren: Führen Sie die Haupt-Unkrautbekämpfung im frühen Nachauflauf des Maises durch, um den Bestand bis zum Reihenschluss sauber zu halten.
  5. Mechanische Optionen nutzen: Integrieren Sie, wenn möglich, eine Hackmassnahme. Sie bekämpft Unkräuter mechanisch und kann gleichzeitig zur Einarbeitung der Untersaat genutzt werden, was Herbizide einspart.

Kann man die Maisstoppel-Untersaat im Herbst noch sinnvoll beweiden?

Die Arbeit und Investition in eine Untersaat zahlen sich erst richtig aus, wenn der Nutzen über den reinen Erosionsschutz hinausgeht. Die etablierte Grasnarbe ist ein wertvoller Bestand, der die Wertschöpfungskette der Maisfläche verlängert. Eine der offensichtlichsten und für Veredelungsbetriebe attraktivsten Optionen ist die Nutzung als Weide oder für einen Schnitt nach der Maisernte. Ob eine Beweidung im Herbst sinnvoll ist, hängt stark vom Erntetermin des Maises und der weiteren Entwicklung des Grases ab. Bei einer frühen Silomaisernte kann der Grasbestand oft noch einen signifikanten Aufwuchs bilden, der sich für eine leichte Beweidung mit Rindern oder Schafen eignet.

Das eigentliche Potenzial entfaltet sich jedoch oft erst im folgenden Frühjahr. Die Untersaat überwintert und startet bei den ersten warmen Temperaturen durch. Ein innovatives Anbauverfahren zeigt, wie bis zu drei Ernten von einer Fläche realisiert werden können: Zuerst die Körnermais- oder CCM-Ernte, dann die Bergung des Maisstrohs (das mit 4-9 t TM/ha ein beachtliches Substrat für Biogasanlagen darstellt) und schliesslich die dritte Ernte als Grassilage im Frühjahr. Dieser erste Schnitt kann beachtliche Erträge liefern. So kann zum Beispiel eine Proterra Rohrschwingel-Untersaat einen Ertrag von 3 bis 5 t/ha Trockenmasse im Frühjahr erzielen. Dieser zusätzliche Futter- oder Biogasertrag verändert die gesamte Wirtschaftlichkeit des Verfahrens.

Neben der direkten Ernte bietet die Untersaat weitere, oft unterschätzte Vorteile. Die durchwurzelte Grasnarbe verbessert die Tragfähigkeit des Bodens erheblich. Dies ist ein unschätzbarer Vorteil bei der Maisernte unter feuchten Herbstbedingungen. Schwere Erntemaschinen und Transportfahrzeuge verursachen deutlich weniger Bodendruck und Strukturschäden, was die nachfolgende Bodenbearbeitung erleichtert und die Bodengesundheit langfristig schützt. Die Untersaat wird so zu einer Art „Versicherung“ für eine pünktliche und bodenschonende Ernte.

Warum Pflügen im Maisanbau am Hang Sie die Betriebsprämie kosten kann

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU hat die Anforderungen an den Erosionsschutz in den letzten Jahren deutlich verschärft. Insbesondere für Flächen, die als erosionsgefährdet eingestuft sind, gelten strenge Regeln, deren Missachtung zu Kürzungen der Betriebsprämie führen kann. Eine zentrale Regelung ist hierbei die GLÖZ 5-Norm (Mindestbodenbedeckung zur Begrenzung von Erosion), die den Umgang mit Ackerflächen in Hanglagen regelt. Für Maisanbauer in diesen Gebieten wird die Grasuntersaat damit von einer agronomischen Option zu einer strategischen Notwendigkeit.

Auf Ackerflächen, die in der Gebietskulisse „K-Wasser2“ (hohe Erosionsgefährdung durch Wasser) liegen, ist der Einsatz des Pfluges vor dem Anbau von Reihenkulturen wie Mais grundsätzlich stark eingeschränkt. Das Pflügen ist hier nur dann gestattet, wenn im Vorjahr eine Winterzwischenfrucht angebaut wurde. Und genau hier spielt die Grasuntersaat ihre Stärke aus: Sie erfüllt exakt diese Anforderung. Eine im Vorjahr unter dem Mais etablierte und über den Winter belassene Grasnarbe gilt als vollwertige Zwischenfrucht im Sinne der GAP-Konditionalität.

Damit wird das Pflügen im Frühjahr direkt vor der Maisaussaat wieder zulässig, was vielen Betrieben die gewohnte Anbaupraxis ermöglicht. Die Grasuntersaat ist somit die eleganteste und oft auch wirtschaftlichste Methode, um die Auflagen zu erfüllen, ohne auf die Vorteile einer Pflugfurche verzichten zu müssen. Sie bietet eine permanente Bodenbedeckung, die dem reinen Mulchsaatverfahren ohne Untersaat in puncto Erosionsschutz sogar überlegen ist. Die dichte Grasnarbe schützt den Boden ganzjährig vor der Aufprallenergie von Regentropfen und verlangsamt den oberflächlichen Wasserabfluss – ein entscheidender Vorteil in Zeiten zunehmender Starkregenereignisse.

Welche Kulturen erfüllen die Pflicht zur winterlichen Bodenbedeckung am günstigsten?

Die Entscheidung für eine Methode zur Bodenbedeckung ist immer auch eine wirtschaftliche. Vergleicht man die Etablierung einer Grasuntersaat im Mais mit dem Anbau einer separaten Zwischenfrucht nach der Ernte, wird der Kostenvorteil des integrierten Systems deutlich. Zwar fallen auch bei der Untersaat Kosten für Saatgut und eventuell die Ausbringung an, doch diese sind in der Gesamtbetrachtung oft niedriger und werden durch vielfältige Nutzenaspekte kompensiert.

Die reinen Saatgutkosten sind vergleichbar. Professionelle Grasuntersaat-Mischungen kosten etwa 3,70 Euro/kg, was bei einer empfohlenen Saatstärke von 10-15 kg/ha zu Kosten von 37 bis 55 Euro pro Hektar führt. Der entscheidende Vorteil liegt jedoch in den Arbeitserledigungskosten. Wird die Untersaat wie beschrieben mit einer Hack- oder Güllemassnahme kombiniert, entfällt ein separater Arbeitsgang komplett. Der Anbau einer Zwischenfrucht nach der Ernte erfordert hingegen immer mindestens eine, oft sogar zwei Überfahrten für Bodenbearbeitung und Aussaat – und das in einer arbeitsreichen und witterungsunsicheren Zeit im Herbst.

Ein direkter Kostenvergleich, wie ihn eine aktuelle Analyse aus der landwirtschaftlichen Praxis zeigt, macht den Unterschied greifbar:

Kostenvergleich: Untersaat vs. separate Zwischenfrucht
Kostenposition Untersaat im Mais Zwischenfrucht nach Ernte
Saatgutkosten 50-75 €/ha (15-20 kg/ha) 40-80 €/ha (je nach Mischung)
Zusätzlicher Arbeitsgang Nein (mit Mais oder Gülle) Ja (Aussaat nach Ernte)
Zeitfenster Flexibel (Mai-Juni) Eng (direkt nach Ernte)
N-Bindung 30-50 kg N/ha 20-40 kg N/ha (je nach Art)
Gesamtkosten abzgl. Nutzen ca. 35 €/ha 60-100 €/ha
Ausgleich durch Mehrertrag 1,0 t FM/ha Silomais Kein direkter Mehrertrag

Die Zahlen belegen, dass die Untersaat unter dem Strich die deutlich günstigere Variante ist. Berücksichtigt man zusätzlich den Mehrwert durch die verbesserte Befahrbarkeit, die höhere N-Bindung und den potenziellen Futterertrag im Frühjahr, wird die Grasuntersaat zum klaren wirtschaftlichen Sieger.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Grasuntersaat ist keine isolierte Technik, sondern ein System-Upgrade für den Maisanbau, das Rentabilität und Resilienz steigert.
  • Der Erfolg hängt von der präzisen Abstimmung von Aussaattermin (6- bis 8-Blatt-Stadium), Technik (kombinierte Verfahren) und Herbizidstrategie ab.
  • Ökonomisch übertrifft die Untersaat die separate Zwischenfrucht durch eingesparte Arbeitsgänge, zusätzliche Erträge und positive Effekte wie N-Bindung und Humusaufbau.

Wie wählen Sie die Zwischenfrucht, die Ihren Boden aufwertet und sicher abfriert?

Die Frage nach der richtigen Zwischenfrucht ist letztlich eine Frage nach der langfristigen Strategie für den eigenen Acker. Geht es nur darum, eine gesetzliche Auflage zu erfüllen, oder will man aktiv in die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Bodens investieren? Die Grasuntersaat im Mais liefert hier eine überzeugende Antwort, da sie weit mehr leistet als eine einfache, sicher abfrierende Zwischenfrucht wie Senf oder Ölrettich. Sie ist ein aktiver Beitrag zum Humusaufbau und zur Verbesserung der Bodenstruktur.

Durch die permanente Wurzelaktivität von der Etablierung im Frühsommer bis zum Umbruch im folgenden Frühjahr wird der Boden kontinuierlich mit organischer Substanz versorgt. Das intensive Wurzelwerk der Gräser stabilisiert das Bodengefüge, fördert das Bodenleben und erhöht die Wasserhaltefähigkeit. Studien zeigen, dass gut entwickelte Gras-Untersaaten weitere 200 kg Humus-C je ha und Jahr zum Humusaufbau beitragen können. In maisbetonten Fruchtfolgen, die tendenziell humuszehrend sind, ist dies ein unschätzbarer Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur langfristigen Ertragssicherheit. Dieser Effekt ist deutlich nachhaltiger als der einer schnell abfrierenden Zwischenfrucht, deren Biomasse oft nur oberflächlich verbleibt.

Die Entscheidung für eine Grasuntersaat ist somit eine Investition in das wertvollste Kapital des Landwirts: seinen Boden. Sie schafft Resilienz gegenüber Wetterextremen wie Starkregen (durch Erosionsschutz) und Trockenheit (durch verbesserte Wasserinfiltration und -speicherung). Das Fachmagazin „praxisnah“ fasst diesen systemischen Vorteil treffend zusammen:

Gras-Untersaaten können so in maisbetonten Fruchtfolgen einen wichtigen Beitrag für die Ertragssicherheit von morgen leisten.

– praxisnah (Fachmagazin für Landwirtschaft), Weidelgras-Untersaaten für sichere Maiserträge

Am Ende schliesst sich der Kreis: Was als Massnahme zur Erfüllung von Umweltauflagen beginnt, entpuppt sich als ein intelligentes System, das den Boden aufwertet, die Betriebsabläufe optimiert und neue Wertschöpfungspotenziale eröffnet. Die Wahl fällt damit nicht mehr nur zwischen verschiedenen Zwischenfrüchten, sondern zwischen einer kurzfristigen Lösung und einer langfristigen, nachhaltigen Strategie.

Beginnen Sie noch heute damit, die Grasuntersaat nicht nur als Pflicht, sondern als Chance zu sehen. Analysieren Sie Ihre betrieblichen Abläufe und prüfen Sie, wie Sie diese multifunktionale Kultur am gewinnbringendsten in Ihr Anbausystem integrieren können.

Geschrieben von Markus Hofer, Markus Hofer hält einen Masterabschluss in Pflanzenbauwissenschaften und verfügt über 14 Jahre Erfahrung als Versuchstechniker und Anbauberater. Er ist Experte für pfluglose Bodenbearbeitung, Zwischenfruchtanbau und integrierten Pflanzenschutz. Sein Ansatz verbindet Ertragssicherung mit nachhaltigem Humusaufbau.