Gesunde Masthähnchen auf trockener Einstreu in modernem deutschen Geflügelstall mit optimaler Beleuchtung
Veröffentlicht am April 11, 2024

Die Reduzierung von Antibiotika ist keine Frage einzelner Massnahmen, sondern des Managements der gesamten Präventionskette in Ihrem Betrieb.

  • Der unsichtbare Biofilm in Wasserleitungen ist eine oft unterschätzte, ständige Gefahrenquelle für die Darmgesundheit Ihrer Küken.
  • Eine strategische Reduktion der Besatzdichte (z. B. im Rahmen der ITW) verbessert nachweislich die Fussballengesundheit und damit die Schlachthof-Bonitur.

Empfehlung: Analysieren Sie Ihren Betrieb systematisch auf Schwachstellen – von der Einstallung bis zur Verladung –, um den Behandlungsindex proaktiv zu senken, anstatt nur auf Krankheitsausbrüche zu reagieren.

Als Hähnchenmäster stehen Sie unter konstantem Druck. Der Tierarzt schaut genau hin, das Antibiotikamonitoring im QS-System lässt keinen Spielraum und jeder Behandlungsindex, der aus dem Ruder läuft, bedeutet nicht nur höhere Kosten, sondern auch kritische Nachfragen. Sie kennen die Standardratschläge: „Achten Sie auf die Hygiene“ oder „Sorgen Sie für gutes Stallklima“. Doch oft sind es nicht die grossen, offensichtlichen Probleme, sondern eine Kette kleiner, miteinander verbundener Schwachstellen, die letztendlich zu gehäuften Behandlungen führen und die Fussballengesundheit beeinträchtigen.

Was wäre, wenn der Schlüssel zur nachhaltigen Senkung des Antibiotikaeinsatzes nicht in der Reaktion auf Krankheiten, sondern in einem lückenlosen, systemischen Risikomanagement liegt? Der wahre Hebel liegt darin, den gesamten Mastdurchgang als eine Präventionskette zu betrachten. Jede Phase, von der Aufbereitung des Stalls über das Management der Herde bis hin zur Verladung, ist ein Kettenglied. Bricht nur ein einziges Glied, erhöht sich der Druck auf das gesamte System und der Griff zum Antibiotikum wird wahrscheinlicher.

Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Glieder dieser Kette. Wir tauchen tief in die Bereiche ein, in denen die grössten Risiken lauern, und zeigen Ihnen praxiserprobte Strategien, um diese Schwachstellen gezielt zu schliessen. Es geht darum, die Ursachen zu bekämpfen, nicht nur die Symptome zu kurieren, damit Sie im grünen Bereich bleiben – aus Überzeugung und mit wirtschaftlichem Erfolg.

Um Ihnen eine klare Übersicht zu geben, gliedert sich dieser Leitfaden in die entscheidenden Managementbereiche. Jeder Abschnitt beleuchtet ein kritisches Kettenglied auf dem Weg zu gesünderen Tieren und besseren Ergebnissen.

Inhalt: Der systematische Weg zu gesünderen Masthähnchen

Wie verhindern Sie feuchte Einstreu, die zu schmerzhaften Ballenentzündungen führt?

Die Fussballengesundheit ist weit mehr als ein Tierwohl-Indikator; sie ist ein direktes Spiegelbild Ihres Einstreu- und Stallklimamanagements. Schmerzhafte Läsionen an den Ballen (Pododermatitis) sind nicht nur eine Belastung für das Tier, sondern führen auch zu Abzügen am Schlachthof. Das systematische Tiergesundheitsmonitoring im QS-System hat diesen Punkt fest im Blick. Laut dessen Erhebungen werden in Deutschland wöchentlich die Daten von rund 95 Prozent der geschlachteten Tiere erfasst, wobei die Fussballengesundheit eine zentrale Rolle spielt. Eine hohe Inzidenz von Ballenveränderungen ist ein klares Alarmsignal, das auf Managementfehler hindeutet.

Die Hauptursache für Fussballenentzündungen ist fast immer feuchte Einstreu. Feuchtigkeit, kombiniert mit dem im Kot enthaltenen Ammoniak, wirkt aggressiv auf die empfindliche Haut der Fussballen. Die Herausforderung besteht darin, die Einstreu von Anfang an trocken und locker zu halten. Dies beginnt bei der Wahl des Materials – Hobelspäne haben sich aufgrund ihrer hohen Saugfähigkeit bewährt. Entscheidend ist jedoch das proaktive Management während des gesamten Durchgangs. Besonderes Augenmerk gilt den Bereichen um die Tränkelinien, da hier der Feuchtigkeitseintrag am höchsten ist.

Wie die Abbildung zeigt, ist eine trockene, krümelige Einstreu die Grundlage für gesunde Füsse. Um dies zu erreichen, sind mehrere Faktoren im Gleichgewicht zu halten: eine korrekt eingestellte Lüftung, die Feuchtigkeit effektiv abtransportiert, eine funktionierende Heizung zur Unterstützung der Trocknung und einwandfreie Tränken, die nicht tropfen. Regelmässiges Nachstreuen oder das Auflockern verdichteter Stellen sind keine optionalen, sondern essenzielle Massnahmen, um den Bio-Druck am Boden niedrig zu halten und schmerzhafte Entzündungen von vornherein zu unterbinden.

Warum der Biofilm in Ihren Leitungen der grösste Feind Ihrer Küken ist

Während feuchte Einstreu ein sichtbarer Feind ist, lauert in Ihren Tränkeleitungen eine unsichtbare, aber ungleich gefährlichere Bedrohung: der Biofilm. Dieser zähe Schleim aus Bakterien, Hefen und Algen bildet eine ständige Kontaminationsquelle für das Tränkwasser. Besonders für die frisch eingestallten Küken mit ihrem noch unreifen Immunsystem stellt dieser permanente Keimdruck eine enorme Belastung dar. Jedes Mal, wenn ein Tier trinkt, nimmt es eine Dosis potenziell pathogener Keime auf, die die Darmgesundheit untergraben und den Weg für Krankheiten wie Dysbakterie oder nekrotische Enteritis ebnen. Das Problem ist weit verbreitet; Schätzungen gehen davon aus, dass nahezu zwei Drittel der Tränkeleitungen in Broiler-Betrieben kontaminiert sein könnten.

Die Bekämpfung des Biofilms ist ein entscheidendes Glied in der Präventionskette. Eine effektive Strategie ist die Ansäuerung des Tränkwassers. Durch die Absenkung des pH-Wertes wird das Wachstum vieler schädlicher Bakterien gehemmt und die Bildung von Biofilm erschwert. Ein Praxisversuch in Deutschland hat die Wirksamkeit dieser Methode eindrucksvoll belegt.

Praxisbeispiel: Leistungssteigerung durch Wasseransäuerung

Eine Untersuchung in deutschen Mastbetrieben, über die gefluegelnews.de berichtet, zeigte klare Ergebnisse. In sieben Durchgängen mit zehn Ställen führte die konsequente Wasseransäuerung (pH-Wert unter 4) zu einer verbesserten Aufzuchtrate von 0,3 %, einem um 26 Gramm höheren Endgewicht und einer besseren Futterverwertung, die sich von 1,57 auf 1,52 verbesserte. Dies beweist, dass eine Investition in die Wasserhygiene sich direkt in der Mastleistung niederschlägt.

Diese Ergebnisse zeigen, dass sauberes Wasser nicht nur eine Grundvoraussetzung, sondern ein aktives Management-Tool ist. Die Kontrolle des Biofilms reduziert den Krankheitsdruck von der ersten Lebensstunde an, stabilisiert die Herde und verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Antibiotika überhaupt notwendig werden. Die Investition in ein System zur Wasserhygiene ist somit eine direkte Investition in die Gesundheit Ihrer Tiere und die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebs.

Lohnt sich die Reduktion der Besatzdichte für bessere Boniturnoten am Schlachthof?

Die Frage der Besatzdichte ist eine der zentralen wirtschaftlichen und ethischen Abwägungen in der Hähnchenmast. Eine höhere Besatzdichte bedeutet auf den ersten Blick eine bessere Flächenausnutzung, birgt aber erhebliche Risiken: erhöhter Stress für die Tiere, schnellerer Feuchtigkeitseintrag in die Einstreu und ein höherer Infektionsdruck. Diese Faktoren wirken sich direkt auf die Tiergesundheit und damit auch auf die Boniturnoten am Schlachthof aus, insbesondere bei der Fussballengesundheit. Programme wie die Initiative Tierwohl (ITW) setzen hier an und fordern eine Reduktion der Besatzdichte als zentrale Massnahme.

Konkret begrenzt die Initiative Tierwohl die maximale Besatzdichte auf 35 kg/m², was einer Reduktion von etwa 10 % gegenüber dem gesetzlichen Höchstwert von 39 kg/m² entspricht. Dieser zusätzliche Platz reduziert den Wettbewerb an Futter- und Wasserstellen, verbessert die Luftqualität und erleichtert es den Tieren, trockene Bereiche im Stall aufzusuchen. Das Ergebnis sind aktivere, gesündere Tiere mit signifikant weniger Läsionen an den Fussballen. Für den Mäster stellt sich die Frage: Rechnet sich die Teilnahme an solchen Programmen finanziell?

Die folgende Tabelle stellt die wesentlichen Unterschiede zwischen dem gesetzlichen Standard und den Anforderungen der Initiative Tierwohl gegenüber und zeigt, dass der Mehraufwand durch einen finanziellen Anreiz kompensiert werden soll.

Vergleich: Gesetzlicher Standard vs. Initiative Tierwohl in der Hähnchenmast
Kriterium Gesetzlicher Standard Initiative Tierwohl
Maximale Besatzdichte 39 kg/m² (mit Gesundheitskontrolle) 35 kg/m²
Platzangebot Gesetzliches Minimum Ca. 10% mehr Platz
Beschäftigungsmaterial Nicht verpflichtend Verpflichtend (Picksteine, Strohballen)
Befunddatenerfassung Basis QS-System Erweiterte Tierwohl-Kontrolle inkl. Fussballengesundheit
Aufpreis für Erzeuger Keine Empfohlener Aufpreis von ca. 2,75 ct/kg Lebendgewicht (2024)

Die Entscheidung für eine geringere Besatzdichte ist somit nicht nur eine Frage des Tierwohls, sondern eine strategische Unternehmensentscheidung. Der Aufpreis der ITW kann die geringere Stückzahl pro Durchgang kompensieren, während die verbesserten Schlachtergebnisse und der potenziell geringere Antibiotikabedarf die Wirtschaftlichkeit weiter erhöhen. Es ist eine Investition in die Robustheit der Herde und die Zukunftsfähigkeit des eigenen Betriebs.

Wie beeinflusst das Lichtregime die Aktivität und Ruhephasen Ihrer Tiere?

Licht ist einer der stärksten Taktgeber für das Verhalten von Masthähnchen. Ein gut durchdachtes Lichtregime steuert nicht nur die Aktivitäts- und Ruhephasen, sondern beeinflusst auch die Futter- und Wasseraufnahme, das Wachstum und das allgemeine Wohlbefinden der Tiere. Ein unzureichendes oder falsch getaktetes Lichtprogramm kann zu Stress, Unruhe und abnormalem Verhalten führen, was wiederum den Krankheitsdruck erhöht. In Deutschland sind die Anforderungen an das Lichtprogramm klar in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierschNutztV) geregelt.

Moderne LED-Beleuchtungssysteme ermöglichen heute eine präzise Steuerung von Lichtintensität, Lichtfarbe und Tageslänge. Besonders wertvoll sind Dämmerungsphasen, die den natürlichen Übergang von Tag zu Nacht simulieren. Diese sanften Übergänge helfen den Tieren, sich auf die Ruhephase vorzubereiten, reduzieren Stress und fördern ein synchrones Ablegen der Herde. Eine ungestörte, ausreichend lange Dunkelphase ist essenziell für die Regeneration und ein gesundes Immunsystem. Flackerfreies Licht ist ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben, da Hühner ein viel höheres Flimmer-Wahrnehmungsvermögen haben als Menschen und Flackern als extrem störend empfinden.

Die gesetzlichen Mindestanforderungen an das Lichtprogramm sind ein wichtiger Rahmen, den jeder Mäster einhalten muss. Sie bilden die Grundlage für ein tiergerechtes Management. Hier sind die Kernpunkte gemäss der TierschNutztV:

  • Ab dem siebten Tag nach der Einstallung muss ein 24-stündiges Lichtprogramm umgesetzt werden, das sich am natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus orientiert.
  • Eine ununterbrochene Dunkelperiode von mindestens sechs Stunden (ohne Dämmerungsphasen) ist verpflichtend.
  • Die Beleuchtung muss flackerfrei sein, um dem tierartspezifischen Wahrnehmungsvermögen zu entsprechen.
  • Das künstliche Licht sollte dem natürlichen Tageslicht so weit wie möglich ähneln.
  • Das etablierte Lichtprogramm muss laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bis zu drei Tage vor dem voraussichtlichen Schlachttermin beibehalten werden.

Ein optimiertes Lichtregime ist ein kostengünstiges, aber hochwirksames Werkzeug zur Stressreduktion und Gesundheitsförderung. Es ist ein weiteres, unverzichtbares Glied in der Kette der präventiven Massnahmen, um die Tiere robust und widerstandsfähig zu halten.

Wie organisieren Sie das Verladen so, dass Hämatome und Flügelbrüche vermieden werden?

Die letzten Stunden vor dem Transport zum Schlachthof sind eine der stressigsten Phasen im Leben eines Masthähnchens. Ein schlecht organisierter Verladeprozess kann die Arbeit eines ganzen Mastdurchgangs zunichtemachen. Hämatome (Blutergüsse), Kratzer und sogar Flügelbrüche sind nicht nur tierschutzrelevant, sondern führen auch zu direkten finanziellen Verlusten durch Abzüge und Verwürfe am Schlachtband. Ein tierschonendes Verladen ist somit das letzte, aber entscheidende Glied in der Präventions- und Qualitätskette.

Der Schlüssel zu einem stressarmen Verladen liegt in der perfekten Koordination, Ruhe und dem Einsatz geschulter Teams. Hektik und grober Umgang sind die Hauptursachen für Verletzungen. Die Verladung sollte idealerweise nachts oder in den frühen Morgenstunden stattfinden, wenn die Tiere von Natur aus ruhiger sind. Eine Reduzierung der Lichtintensität im Stall auf ein Minimum hilft zusätzlich, die Tiere zu beruhigen und erleichtert das Fangen. Professionelle Fängertrupps, die in „Low-Stress-Handling“-Techniken geschult sind, arbeiten ruhiger und effizienter. Sie wissen, wie man die Tiere sicher aufnimmt und in die Transportkisten setzt, ohne unnötigen Druck oder Panik zu erzeugen.

Eine gute Organisation beginnt bereits am Vortag mit einer klaren Absprache zwischen Mäster, Fängertrupp und Spedition. Jeder muss seine Rolle und den Zeitplan kennen. Die Einhaltung der Tierschutztransportverordnung ist dabei nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die folgende Checkliste hilft Ihnen, Ihren Verladeprozess systematisch zu auditieren und Schwachstellen zu identifizieren.

Ihr Auditplan für ein tierschonendes Verladen

  1. Schnittstellen definieren: Legen Sie alle Kommunikationswege und Verantwortlichkeiten zwischen Ihnen, dem Fängertrupp und der Spedition mindestens 24 Stunden im Voraus klar fest.
  2. Protokolle prüfen: Inventarisieren Sie bestehende Anweisungen und fordern Sie Schulungsnachweise des Fängertrupps an (z. B. für Low-Stress-Handling).
  3. Tierschutz-Abgleich: Gleichen Sie die geplanten Abläufe (z. B. Lichtreduktion, Fangtechnik, Besatzdichte in den Kisten) systematisch mit den Vorgaben der Tierschutztransportverordnung ab.
  4. Stressfaktoren bewerten: Identifizieren Sie kritische Momente während des Fangens (z. B. Lärm, erste Eingriffe, Wartezeiten) und bewerten Sie diese auf ihr Reduktionspotenzial.
  5. Optimierungsplan erstellen: Legen Sie auf Basis der Bewertung konkrete Verbesserungsmassnahmen fest, wie verbindliche Zeitfenster (nachts/Dämmerung) oder den Einsatz von bläulichem Licht zur Beruhigung.

Ein professionell gemanagter Verladeprozess ist der finale Akt der Qualitätssicherung. Er stellt sicher, dass die gesunden und gut entwickelten Tiere auch in bestem Zustand am Schlachthof ankommen, was sich direkt in Ihrem Erlös widerspiegelt.

Wie verhindern Sie, dass Ihr wichtigstes Fungizid nächstes Jahr wirkungslos wird?

Diese Frage scheint auf den ersten Blick aus dem Ackerbau zu stammen und in einem Artikel über Hähnchenmast deplatziert zu sein. Doch das zugrunde liegende Prinzip – das Resistenzmanagement – ist eine der grössten strategischen Herausforderungen, die Ackerbauern und Geflügelhalter gleichermassen betrifft. So wie ein Landwirt die Wirksamkeit seiner Fungizide schützen muss, müssen Sie als Hähnchenmäster die Wirksamkeit der verfügbaren Antibiotika erhalten. Der Mechanismus, der zur Wirkungslosigkeit führt, ist in beiden Bereichen erschreckend ähnlich.

Im Pflanzenbau entsteht Fungizidresistenz, wenn Pilzpopulationen durch wiederholten, unsachgemässen Einsatz eines Wirkstoffs selektiert werden. Zu niedrige Dosierungen, falsche Anwendungszeitpunkte oder der ständige Einsatz desselben Wirkstoffprinzips führen dazu, dass nur die unempfindlichen Stämme überleben und sich vermehren. Das Ergebnis: Das Mittel wird wirkungslos. Exakt dieselbe Dynamik beobachten wir bei der Antibiotikaresistenz in der Tierhaltung. Jeder Einsatz eines Antibiotikums, insbesondere wenn er nicht streng nach Indikation und Antibiogramm erfolgt, übt einen Selektionsdruck auf die Bakterienpopulation im Tier und im Stall aus.

Die Parallelen sind eindeutig:

  • Subletale Dosen: Eine unzureichende Reinigung der Tränkeleitungen nach einer Medikation kann zu Restmengen im System führen. Diese geringen Konzentrationen töten empfindliche Bakterien nicht ab, sondern trainieren sie regelrecht darauf, Resistenzen zu entwickeln.
  • Fehlende Rotation: Der wiederholte Einsatz desselben Antibiotika-Wirkstoffs ohne Notwendigkeit fördert die schnelle Selektion resistenter Keime.
  • Breitband statt Schmalspur: Der Griff zu Breitbandantibiotika „zur Sicherheit“ ist vergleichbar mit dem Einsatz eines Totalherbizids, wo ein selektives Mittel gereicht hätte. Er erhöht den Kollateralschaden an der nützlichen Mikroflora und den Selektionsdruck unnötig.

Die Lehre aus dem Ackerbau ist daher direkt auf die Hähnchenmast übertragbar: Der Schutz der Wirksamkeit von Therapeutika ist eine aktive Managementaufgabe. Ein verantwortungsvolles Resistenzmanagement bedeutet, Behandlungen so selten wie möglich, aber so gezielt und konsequent wie nötig durchzuführen. Dies gelingt nur durch eine starke Präventionskette, die den Infektionsdruck von vornherein minimiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Fussballengesundheit ist ein zentraler QS-Qualitätsparameter, der direkt von einem trockenen und sauberen Einstreumanagement abhängt.
  • Biofilm in den Tränkeleitungen stellt einen ständigen, oft unsichtbaren Keimdruck dar, der die Küken von der ersten Stunde an schwächt.
  • Strategische Entscheidungen wie eine angepasste Besatzdichte (z.B. nach ITW-Kriterien) und ein professionelles Verlademanagement wirken sich direkt auf die Schlachtergebnisse und den Antibiotikabedarf aus.

Warum die Einweichanlage die wichtigste Investition für Ihre Mastleistung ist

Nachdem ein Mastdurchgang abgeschlossen ist, beginnt die vielleicht wichtigste Phase für den Erfolg des nächsten: die Reinigung und Desinfektion des Stalls. In diesem Prozess spielt die Säuberung der Tränkeleitungen eine überragende Rolle. Hier schliesst sich der Kreis zum Thema Biofilm. Eine professionelle Einweich- und Spülanlage ist keine Luxusanschaffung, sondern das entscheidende Werkzeug, um die Grundbelastung an Keimen für den nächsten Durchgang radikal zu senken. Ohne eine gründliche Reinigung bleibt der Biofilm als „Impfung“ mit Altkeimen im System und die neuen Küken starten von Beginn an mit einem massiven Nachteil.

Eine Einweichanlage ermöglicht es, die Leitungen über einen längeren Zeitraum mit hochwirksamen Reinigungs- und Desinfektionslösungen zu füllen. Dieser Prozess löst den hartnäckigen Biofilm und organische Ablagerungen, die durch einfaches Spülen mit Wasser nicht entfernt werden können. Experten, wie die der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, betonen die Wichtigkeit dieses Schrittes. Sie empfehlen, die Leitungen systematisch mit Säure- oder Laugenlösungen zu spülen, um sie einfach und kostengünstig von Biofilm zu befreien. Insbesondere nach Medikationseinsätzen über das Trinkwasser sei dieser Schritt unverzichtbar, um Wirkstoffreste und resistente Keime restlos zu eliminieren.

Die Investition in eine solche Anlage zahlt sich mehrfach aus. Erstens sichert sie die Wirksamkeit der anschliessenden Desinfektion, die auf einer sauberen Oberfläche weitaus besser wirkt. Zweitens stellt sie sicher, dass die frisch eingestallten Küken vom ersten Tag an Zugang zu hygienisch einwandfreiem Wasser haben, was für die Entwicklung eines gesunden Darms und Immunsystems fundamental ist. Drittens macht sie den dauerhaften, prophylaktischen Einsatz von Hygienemitteln im Tränkwasser während der Mastperiode oft überflüssig, was Kosten spart und das System entlastet.

Betrachten Sie die Reinigung nicht als lästige Pflicht, sondern als ersten und wichtigsten Schritt der Präventionskette für den neuen Durchgang. Eine Einweichanlage ist das Fundament, auf dem die Gesundheit und Leistung der nächsten Herde aufgebaut wird. Ohne dieses Fundament bauen Sie auf Sand.

Wie erreichen Sie 1000g Tageszunahmen bei sinkenden Futterkosten?

Ein Ziel von 1000 Gramm Tageszunahmen ist in der Hähnchenmast eine utopische Vorstellung – solche Werte sind eher in der Rinder- oder Schweinemast anzutreffen. Ein modernes Masthähnchen nimmt im Durchschnitt etwa 60-65 Gramm pro Tag zu. Doch die provokante Frage zielt auf einen wahren Kern: Wie schöpfen Sie das maximale genetische Potenzial Ihrer Tiere aus, ohne dass die Kosten explodieren? Die Antwort liegt nicht darin, die Tiere zu Höchstleistungen zu zwingen, sondern darin, alle wachstumshemmenden Faktoren konsequent zu eliminieren. Der grösste dieser Faktoren ist subklinischer und klinischer Krankheitsstress, der unweigerlich zu einem höheren Antibiotikaeinsatz führt.

Jeder Tag, an dem ein Tier mit der Abwehr von Krankheitserregern beschäftigt ist, ist ein Tag, an dem Energie nicht in Wachstum, sondern in das Immunsystem investiert wird. Die Futterverwertung verschlechtert sich, die Herde wird ungleichmässiger und das Risiko für ernsthafte Erkrankungen steigt. Der häufige Einsatz von Antibiotika ist dann oft nur noch das letzte Mittel, um den wirtschaftlichen Totalverlust abzuwenden. Eine Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und der Universität Leipzig, über die das Deutsche Ärzteblatt berichtete, zeichnet ein alarmierendes Bild der aktuellen Praxis. Sie zeigt, dass ein Masthähnchen in Deutschland im Schnitt an 10 seiner 39 Lebenstage Antibiotika bekommt.

Diese Zahl macht deutlich, wo das grösste Potenzial für Leistungssteigerung und Kostensenkung liegt: in der Prävention. Jeder verhinderte Behandlungstag ist ein Gewinn für die Tiergesundheit und die Futtereffizienz. Das Ziel ist nicht die unrealistische Tageszunahme, sondern eine konstant hohe Leistung über den gesamten Durchgang, erreicht durch eine robuste Herde, die ihr genetisches Potenzial frei von Krankheitsdruck entfalten kann. Dies gelingt nur durch die Umsetzung einer lückenlosen Präventionskette, die alle in diesem Artikel besprochenen Aspekte – von der Einstreu über das Wasser und die Besatzdichte bis zur stressfreien Verladung – umfasst.

Um Ihre Leistung wirklich zu maximieren, müssen Sie die gesamte Produktionskette im Blick haben. Eine Reflexion über die wahren Hebel für Effizienz und Gesundheit ist dafür die Grundlage.

Der Weg zu niedrigeren Behandlungsindizes und gesünderen Tieren beginnt mit einer ehrlichen Analyse Ihres eigenen Betriebs. Führen Sie eine systematische Schwachstellenanalyse durch und setzen Sie gezielte Massnahmen um, um die Präventionskette in Ihrem Stall zu stärken. Beginnen Sie noch heute damit, die Weichen für den nächsten, erfolgreicheren Durchgang zu stellen.

Geschrieben von Johannes Eckert, Johannes Eckert ist Diplom-Ingenieur (FH) für Tierproduktion mit über 20 Jahren Erfahrung im Stallmanagement und der Futteroptimierung. Er berät Mast- und Milchviehbetriebe bei der Rationsgestaltung, dem Tierwohl-Stallbau und der Einhaltung von Immissionsschutzvorgaben. Sein Fokus liegt auf Leistungssicherung bei gleichzeitiger Kostensenkung.