Moderne optische Sortieranlage für Kartoffeln in deutscher Landwirtschaft
Veröffentlicht am Mai 20, 2024

Die Investition in optische Sortierung ist keine reine Qualitätskontrolle, sondern ein strategisches Finanzinstrument, das die Profitabilität Ihres Betriebs fundamental verändert.

  • Sie eliminiert bis zu 98 % der Fehlsortierungen und vermeidet so teure Abzüge durch den Lebensmitteleinzelhandel (LEH).
  • Sie ermöglicht eine strategische Qualitätssegmentierung, um für jede Knolle den maximalen Marktpreis zu erzielen – von Premiumware bis zur Verarbeitungsindustrie.

Empfehlung: Analysieren Sie Ihre aktuellen Abzüge und Lagerverluste. Diese Zahlen sind die Basis, um den präzisen Return on Investment (ROI) einer Modernisierung für Ihren Betrieb zu kalkulieren.

Jeder Kartoffelanbauer kennt die Situation: Eine qualitativ hochwertige Ernte wird angeliefert, doch am Ende schmälern Abzüge wegen vermeintlicher Mängel die Marge empfindlich. Der Druck des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) nach einer perfekten, homogenen Ware ist enorm. Oft wird auf traditionelle mechanische Sortierung und manuelle Nachkontrolle gesetzt, doch diese Methoden sind fehleranfällig und personalintensiv. Bis zu 10 % einwandfreier Ware landen fälschlicherweise im Ausschuss, während unsichtbare Mängel unentdeckt bleiben und die Lagerfähigkeit drastisch reduzieren.

Doch was, wenn die Lösung nicht darin liegt, noch mehr Personal an das Sortierband zu stellen? Was, wenn die eigentliche Stellschraube für 15 % mehr Verkaufswert nicht die manuelle Kontrolle, sondern eine technologische Revolution ist? Die optische Sortierung ist mehr als nur ein Upgrade – sie ist ein Paradigmenwechsel. Sie verwandelt den Nachernteteprozess von einer reinen Kostenstelle in ein strategisches Profitcenter. Es geht nicht mehr nur darum, schlechte Kartoffeln auszusortieren, sondern darum, für jede einzelne Knolle den optimalen Wert zu identifizieren und zu realisieren.

Dieser Artikel zeigt Ihnen als technischer Berater und Profit-Optimierer, wie Sie diesen Wandel vollziehen. Wir analysieren nicht nur die technischen Unterschiede, sondern decken die verborgenen Kosten im aktuellen System auf. Sie erfahren, wie Sie die Technologie auch in bestehende Anlagen integrieren, den perfekten Modernisierungszeitpunkt finden und sogar Ihre Energiekosten in der Lagerung als direkten Nebeneffekt senken. Machen Sie sich bereit, die Wertschöpfung Ihrer Ernte neu zu definieren.

Um die Potenziale der optischen Sortierung für Ihren Betrieb vollständig zu erfassen, beleuchten wir in den folgenden Abschnitten die entscheidenden technischen und wirtschaftlichen Aspekte. Der Artikel ist so strukturiert, dass er Sie von der grundlegenden Technologieentscheidung bis zur finalen Profitabilitätsrechnung führt.

Optisch vs. Mechanisch: Welche Sortiermaschine lohnt sich ab 50 Hektar Anbaufläche?

Die Entscheidung zwischen mechanischer und optischer Sortierung ist eine strategische Weichenstellung für die Zukunftsfähigkeit Ihres Betriebs. Während mechanische Sortierer, die primär nach Grösse und Form trennen, in der Anschaffung günstiger sind, erreichen sie schnell ihre technologischen Grenzen. Sie sind blind für Farabweichungen, grüne Stellen, Krankheiten oder Beschädigungen, was zu hohen Raten an Fehlsortierungen und damit zu direkten Umsatzeinbussen führt. Die Notwendigkeit der manuellen Nachkontrolle bindet zudem wertvolle Arbeitskräfte und begrenzt den Durchsatz erheblich.

Optische Sortieranlagen hingegen sind ein Quantensprung in der Präzision. Ausgestattet mit hochauflösenden Kameras und intelligenten Algorithmen analysieren sie jede einzelne Kartoffel in Millisekunden. Moderne Systeme nutzen einen 360°-Oberflächenscan, der nicht nur äussere Defekte wie Risse und Triebe, sondern mittels Nahinfrarot-Technologie (NIR) auch innere Mängel wie Hohlherzigkeit oder Fäulnis erkennt. Diese datengestützte Analyse ermöglicht eine bisher unerreichte Genauigkeit und schafft die Grundlage für eine echte Wertmaximierung. Die Investition ist zwar höher, wird aber durch staatliche Förderungen abgefedert. So können Betriebe in Deutschland nach dem Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) 2023-2027 mit einem Zuschuss von 20 % bis 40 % rechnen.

Der folgende Vergleich zeigt die fundamentalen Unterschiede und macht deutlich, ab welchem Punkt die höhere Investition in optische Technik zur profitableren Entscheidung wird, wie eine aktuelle Marktanalyse für Sortiertechnik belegt.

Vergleich: Optische vs. mechanische Sortierung
Kriterium Optische Sortierung Mechanische Sortierung
Erkennungsgenauigkeit 360° Oberflächenscan + Innenmängel Nur Grösse/Form
Leistung Bis zu 100 t/h 10-30 t/h
Fehlsortierung <2% 8-10%
Investitionskosten 150.000-300.000€ 30.000-80.000€
Rentabilität ab 50 Hektar 15 Hektar

Warum landen 10% Ihrer perfekten Ware fälschlicherweise im Ausschuss?

Das Phänomen der Fehlsortierung, bei dem qualitativ einwandfreie Kartoffeln als Ausschuss deklariert werden, ist einer der grössten versteckten Kostenfaktoren in der Nacher Erntekette. Die Ursache liegt oft in der Ungenauigkeit traditioneller Systeme. Das menschliche Auge ermüdet, und mechanische Sortierer können nicht zwischen einem anhaftenden Erdklumpen und einem echten Defekt unterscheiden. Das Ergebnis: Bis zu 10 % Ihrer vermarktungsfähigen Ernte gehen verloren, was Ihren Deckungsbeitrag direkt reduziert.

Moderne optische Sortierer mit künstlicher Intelligenz (KI) lösen dieses Problem an der Wurzel. Sie arbeiten nicht mit starren Regeln, sondern mit lernenden Algorithmen, die auf riesigen Datenmengen trainiert wurden. Diese Systeme können harmlose Oberflächenanomalien, wie anhaftende Erde oder sortentypische raue Schalen, von echten Qualitätsmängeln wie grünen Stellen, Drahtwurmbefall oder Schorf unterscheiden. Diese Fähigkeit zur Differenzierung ist der Schlüssel zur Minimierung der „False Positives“ – der fälschlicherweise aussortierten guten Knollen. Der Sortierprozess wird dadurch von einer subjektiven Einschätzung zu einer objektiven, datenbasierten Entscheidung.

Wie die Abbildung andeutet, liegt die Herausforderung im Detail. Die KI muss mikroskopische Unterschiede erkennen, die für das menschliche Auge oder einfache Sensoren identisch erscheinen. Durch die Kalibrierung der Software auf spezifische Merkmale deutscher Kartoffelsorten, etwa die längliche Form eines „Bamberger Hörnla“, wird die Präzision weiter gesteigert und die Fehlsortierungsquote auf unter 2 % gesenkt. Dies bedeutet eine direkte Steigerung der verkaufsfähigen Menge aus derselben Erntemenge.

Aktionsplan: Wie Sie Fehlsortierungen systematisch reduzieren

  1. 360°-Erfassung sicherstellen: Installieren Sie Industriekameras, die eine lückenlose 360°-Rotation und Inspektion jeder einzelnen Knolle gewährleisten, um verdeckte Mängel auszuschliessen.
  2. KI-Modelle implementieren: Setzen Sie auf Software mit KI-basierten Erkennungsmodellen, die speziell auf die in Deutschland gängigen Kartoffelsorten und deren typische Defekte trainiert sind.
  3. Innere Werte prüfen: Integrieren Sie Nahinfrarot-Sensoren (NIR), um unsichtbare innere Mängel wie Hohlherzigkeit oder innere Fäulnis zuverlässig zu detektieren.
  4. Regelmässig kalibrieren: Führen Sie vor jedem Sortenwechsel eine Kalibrierung der Anlage auf die spezifischen Merkmale (Form, Farbe, Schalenstruktur) der neuen Sorte durch.
  5. Personal qualifizieren: Schulen Sie Ihre Mitarbeiter nicht nur in der Bedienung der neuen Software, sondern auch in der visuellen Überprüfung der von der KI getroffenen Entscheidungen zur ständigen Prozessoptimierung.

Wie integrieren Sie neue Sortiertechnik in alte Hallen ohne teure Umbauten?

Die Sorge vor aufwendigen und kostspieligen Umbaumassnahmen an bestehenden Betriebsgebäuden ist eine der grössten Hürden bei der Modernisierung der Sortiertechnik. Viele Landwirte befürchten, dass ihre alten Hallen nicht über den nötigen Platz oder die passende Infrastruktur für eine moderne, grossvolumige Anlage verfügen. Diese Bedenken sind verständlich, doch die Hersteller von Nacherntetechnologie haben darauf reagiert und bieten heute flexible und kompakte Lösungen an, die sich intelligent in bestehende Gegebenheiten einfügen lassen.

Der Schlüssel liegt im modularen Aufbau moderner Sortierlinien. Anstatt einer riesigen, monolithischen Maschine bestehen diese Systeme aus einzelnen, kombinierbaren Modulen für Annahme, Reinigung, Sortierung und Abpackung. Dies ermöglicht eine flexible Anordnung, die an die räumlichen Gegebenheiten Ihrer Halle angepasst werden kann – sei es eine L-Form, eine U-Form oder eine lange, gerade Linie. Besonders kompakte optische Sortiereinheiten benötigen oft erstaunlich wenig Platz. So gibt es bereits leistungsfähige Lösungen für kompakte optische Sortiereinheiten wie den Agroselector, die nur ab 15m² Grundfläche benötigen.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Höhe. Viele ältere Hallen haben eine begrenzte Deckenhöhe. Moderne Anlagenkonzepte setzen auf eine minimierte Fallhöhe der Kartoffeln, um Beschädigungen zu vermeiden. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass die Gesamthöhe der Anlage oft geringer ausfällt als bei älteren Systemen. Eine gründliche 3D-Planung durch den Anlagenhersteller im Vorfeld ist hierbei entscheidend. Sie visualisiert die neue Linie in Ihrer bestehenden Halle und identifiziert potenzielle Engpässe, bevor auch nur eine Schraube montiert wird. So wird sichergestellt, dass der Verkehrsfluss für Gabelstapler und Personal optimiert ist und keine teuren statischen Eingriffe in die Bausubstanz notwendig werden.

Der unsichtbare Fehler im Sortierprozess, der die Lagerfähigkeit um Wochen verkürzt

Einer der am meisten unterschätzten Nachteile der rein mechanischen Sortierung ist nicht das, was sie falsch sortiert, sondern wie sie die Ware behandelt. Jeder Stoss, jede hohe Fallstufe und jede aggressive mechanische Beanspruchung verursacht Mikroverletzungen an der Kartoffelschale. Diese feinen Risse und Druckstellen sind mit blossem Auge oft nicht sichtbar, aber sie sind offene Tore für Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze. Das Resultat ist eine deutlich verkürzte Lagerfähigkeit und ein erhöhtes Risiko für Fäulnisnester im Lager, die ganze Partien wertlos machen können.

Moderne optische Sortieranlagen sind nicht nur präziser, sondern auch signifikant schonender. Die Kartoffeln werden oft auf weichen Bändern oder in speziellen Mulden transportiert und die Fallhöhen sind auf ein absolutes Minimum reduziert. Dieser sanfte Umgang ist ein entscheidender Faktor für die „innere“ Qualität der Lagerware. Eine intakte Schale ist die beste natürliche Verpackung und die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Langzeitlagerung. Der positive Effekt ist doppelt: Nicht nur wird die Ware schonender behandelt, die Technologie erkennt auch bereits beschädigte Knollen zuverlässig.

Dies ermöglicht eine strategische Qualitätssegmentierung direkt nach der Ernte. Wie Wolfgang Saam von der Südstärke betont, ist dies entscheidend für die Risikominimierung, insbesondere nach schwierigen Erntejahren. Eine Analyse der Ernte 2024 zeigt, dass Betriebe mit optischer Sortierung beschädigte Partien gezielt für den schnellen Verkauf oder die industrielle Verarbeitung einplanen können. Gleichzeitig wird nur die absolut unversehrte Top-Qualität für die sensible und teure Langzeitlagerung reserviert. Dieses Vorgehen minimiert Lagerverluste und maximiert den Ertrag aus der gesamten Erntemenge.

Wann ist der ideale Zeitpunkt für die Modernisierung Ihrer Sortieranlage vor der Saison?

Die Entscheidung zur Modernisierung einer Sortieranlage ist getroffen, doch der richtige Zeitpunkt für die Umsetzung ist entscheidend für einen reibungslosen Übergang ohne Ernteausfälle. Eine sorgfältige Zeitplanung, die sowohl Förderanträge als auch die betrieblichen Abläufe berücksichtigt, ist der Schlüssel zum Erfolg. Der Prozess beginnt lange vor der eigentlichen Installation, idealerweise direkt nach dem Ende der vorherigen Saison.

Der erste und wichtigste Schritt ist die frühzeitige Auseinandersetzung mit den Förderprogrammen. Das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) hat in den Bundesländern spezifische und oft sehr kurze Antragsfenster. Wer diese Fristen verpasst, lässt wertvolle Zuschüsse von bis zu 40 % ungenutzt. Als Beispiel: Das Antragsfenster für das Agrarinvestitionsförderungsprogramm in Niedersachsen für das Jahr 2024 lag zwischen dem 3. und 17. Juni 2024. Für 2026 ist die Frist bereits auf den 9. bis 23. März terminiert. Dies zeigt, wie wichtig eine langfristige Planung ist. Die Vorbereitung der umfangreichen Antragsunterlagen sollte daher bereits in den Wintermonaten erfolgen.

Sobald die Bewilligung vorliegt, können die Aufträge vergeben werden. Der ideale Zeitraum für die eigentliche Installation der neuen Anlage ist das Zeitfenster im Hochsommer (Juli-August). In dieser Phase sind die Pflanzenschutzmassnahmen auf dem Feld meist abgeschlossen, die Hallen sind leer und es herrscht relative Ruhe vor dem Beginn der Erntesaison. Dies gibt den Technikern genügend Zeit für die Montage, Verkabelung und die entscheidende Kalibrierung der Software. Direkt im Anschluss, aber noch vor dem grossen Erntestart im September, muss die intensive Schulung der Mitarbeiter erfolgen, damit diese die neue Technologie vom ersten Tag an effizient nutzen können.

Ein idealtypischer Zeitplan für eine Modernisierung sieht wie folgt aus:

  1. Januar-Februar: Detaillierte Bedarfsanalyse und technische Planung mit dem Anlagenhersteller.
  2. März: Vorbereitung und Einreichung der AFP-Antragsunterlagen unter Beachtung der landesspezifischen Fristen.
  3. Mai-Juni: Abwarten des Bewilligungsbescheids und anschliessende Auftragsvergabe.
  4. Juli-August: Installation, Montage und Kalibrierung der neuen Sortierlinie in der leeren Halle.
  5. September: Intensive Schulung des Bedienpersonals an der neuen Anlage vor dem Erntebeginn.

Manuell vs. Automatisch: Lohnt sich eine Wetter-geführte Lüftungssteuerung für Ihr Lager?

Nachdem die Qualität der eingelagerten Ware durch eine präzise optische Sortierung auf ein neues Niveau gehoben wurde, rückt der nächste Prozessschritt in den Fokus der Optimierung: die Lagerung selbst. Eine perfekt sortierte Partie – frei von Erde, Steinen und faulen Knollen – hat fundamental andere Anforderungen an die Belüftung als eine heterogene Mischung. Die Frage ist also nicht mehr nur, ob gelüftet werden muss, sondern wie dies maximal effizient und automatisiert geschehen kann. Hier kommt die wetter-geführte Lüftungssteuerung ins Spiel.

Manuelle Steuerungen basieren oft auf festen Zeitintervallen oder der reinen Erfahrung des Lagerführers. Dies führt zwangsläufig zu Ineffizienzen. Es wird gelüftet, obwohl die Aussenbedingungen (zu warm, zu feucht) ungeeignet sind, was Energie verschwendet und die Lagerqualität beeinträchtigen kann. Oder es wird nicht gelüftet, obwohl ideale, kühle und trockene Aussenluft zur Verfügung stünde, um die Temperatur im Lager kostengünstig zu senken.

Eine automatische, wetter-geführte Lüftungssteuerung hingegen arbeitet datenbasiert. Sie vergleicht permanent die Temperatur- und Feuchtigkeitswerte innerhalb und ausserhalb des Lagers. Die Lüfter werden nur dann aktiviert, wenn die Aussenluft tatsächlich geeignet ist, die gewünschten Lagerkonditionen zu erreichen oder zu halten. Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile: Es senkt die Energiekosten drastisch, da die Lüfter nur bei optimalen Bedingungen laufen. Zudem sorgt es für ein stabileres Lagerklima, was den Gewichtsverlust der Kartoffeln minimiert und die Keimruhe verlängert. Die Investition in eine solche Automatisierung wird besonders rentabel, wenn die Basis – sauberes und homogenes Lagergut – durch eine vorgeschaltete optische Sortierung geschaffen wurde, da die Luft im Lagerstapel viel effizienter zirkulieren kann.

Bei welchem Marktpreis decken Sie Ihre Vollkosten in der Schweinemast?

In der Schweinemast ist die Vollkostenrechnung ein etabliertes und überlebenswichtiges Instrument. Jeder Mäster kennt seine Fixkosten (Stallabschreibung, Zinsen) und variablen Kosten (Ferkel, Futter, Tierarzt) und kann daraus präzise den Marktpreis berechnen, den er pro Kilogramm Schlachtgewicht erzielen muss, um seine Kosten zu decken (Break-Even-Punkt). Dieses Prinzip der glasklaren betriebswirtschaftlichen Kalkulation ist der exakte methodische Ansatz, den Sie auch für die Investition in eine optische Sortieranlage anwenden müssen, um deren Rentabilität zu bestimmen.

Übertragen wir das Modell auf die Kartoffelwirtschaft. Ihre Fixkosten sind die jährliche Abschreibung der neuen Sortieranlage (z.B. 200.000 € über 10 Jahre = 20.000 €/Jahr) plus Zinsen. Ihre variablen Kosten sind der zusätzliche Energieverbrauch und die Wartungskosten der Anlage. Auf der anderen Seite stehen die Erträge. Diese setzen sich nicht nur aus dem Verkauf der Ware zusammen, sondern vor allem aus den zusätzlichen Gewinnen und vermiedenen Verlusten durch die neue Technologie.

Die entscheidende Frage lautet also: Wie hoch muss der zusätzliche Erlös pro Tonne Kartoffeln sein, um die jährlichen Kosten der Anlage zu decken? Dieser Erlös generiert sich aus drei Hauptquellen:

  1. Vermiedene Abzüge: Kalkulieren Sie Ihre durchschnittlichen Abzüge der letzten Jahre. Wenn Sie durch die neue Technik 5 €/Tonne an Abzügen einsparen, ist dies ein direkter Gewinn.
  2. Mehrerlös durch Qualitätssegmentierung: Welchen Aufpreis können Sie für eine perfekt sortierte Premium-Ware erzielen? Wie viel mehr Erlös generieren Sie, indem Sie Ware, die sonst Ausschuss wäre, als Verarbeitungs- oder Futterkartoffel vermarkten?
  3. Reduzierte Lagerverluste: Bewerten Sie Ihre bisherigen Lagerverluste in Euro. Wenn die schonendere Sortierung diese Verluste um 2 % reduziert, ist dies ebenfalls ein direkter Gewinn.

Addieren Sie diese drei Positionen. Wenn die Summe der zusätzlichen Erlöse und Einsparungen pro Jahr die jährlichen Kosten der Anlage übersteigt, ist die Investition profitabel. So wird aus einem gefühlten „lohnt sich das?“ eine harte, betriebswirtschaftliche Kennzahl.

Das Wichtigste in Kürze

  • Optische Sortierung ist ein Finanzinstrument, das Abzüge vermeidet und durch strategische Qualitätssegmentierung den Wert jeder Knolle maximiert.
  • Die Technologie senkt die Fehlsortierungsquote auf unter 2 % und erhöht so direkt die verkaufsfähige Erntemenge.
  • Eine schonende Behandlung durch moderne Anlagen reduziert Mikroverletzungen und minimiert Lagerverluste, was die Langzeitlagerung profitabler macht.

Wie senken Sie die Stromkosten Ihrer Kartoffellagerung um 20% trotz steigender Energiepreise?

Die Energiekosten für die Kartoffellagerung sind ein erheblicher und stetig steigender Kostenblock. Der durchschnittliche Energiebedarf für die Lagerung pro Saison beträgt 70-80 kWh pro Tonne. Eine Investition in optische Sortierung kann diese Kosten jedoch auf direktem und indirektem Wege signifikant senken. Der offensichtlichste Hebel ist die Qualität des Lagerguts: Eine saubere, von Erde befreite Partie ermöglicht eine deutlich bessere Luftzirkulation im Lager. Die Lüfter müssen weniger Widerstand überwinden, um die kühle Luft zu verteilen, was ihre Laufzeit und damit den Stromverbrauch reduziert.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Reduzierung unnötiger Lüfterlaufzeiten durch intelligente Steuerung. Lange, pauschale Lüftungsintervalle führen zu unerwünschten Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen, die nicht nur Energie kosten, sondern auch Gewichtsverluste und eine schlechtere Backfarbe der Kartoffeln verursachen können. Eine intelligente Lösung, wie der von Restrain entwickelte energieeffiziente CO2-Extraktor, schaltet die Lüftung nur dann ein, wenn die CO2-Konzentration im Lager tatsächlich einen kritischen Wert übersteigt. Adrian Briddon, ein Experte auf diesem Gebiet, erklärt, dass diese bedarfsgerechte Steuerung den Stromverbrauch der Lüfter erheblich reduziert, da sie nicht mehr präventiv, sondern nur bei tatsächlichem Bedarf aktiviert werden.

Die Kombination aus optimiertem Lagergut und intelligenter Technik schafft erhebliche Einsparpotenziale. Die folgende Tabelle, basierend auf einer Analyse von Energieeffizienzmassnahmen in der Lagerung, verdeutlicht die verschiedenen Hebel zur Kostensenkung.

Einsparpotenziale bei der Kartoffellagerung
Massnahme Einsparpotenzial Voraussetzung/Investition
Saubere Sortierung (weniger Erdanhang) 30% Effizienzsteigerung Belüftung Optische Sortierung
Optimierte Lagerkisten (CTX MS®) Bis zu 6kW/h Reduktion Neue Kistensysteme
Datenbasierte Lüftungssteuerung 20% Gesamteinsparung Sensoren + Software
Lastverschiebung (Nachtstrom) 15-25% Kostensenkung Zeitschaltuhren

Die Senkung der Stromkosten ist somit kein isoliertes Ziel, sondern eine direkte und profitable Folge einer ganzheitlichen Optimierung des Nacherntemanagements. Die Investition in eine präzise Sortierung am Anfang der Kette zahlt sich bis zum Ende der Lagerperiode buchstäblich aus.

Häufig gestellte Fragen zur Integration von optischer Sortiertechnik

Gibt es mobile Alternativen zur festen Installation?

Ja, mobile optische Sortieranlagen können als überbetriebliche Lösung in Maschinengemeinschaften oder Erzeugerorganisationen genutzt werden. Dies ermöglicht es auch kleineren Betrieben, von der Technologie zu profitieren, ohne die volle Investition allein tragen zu müssen.

Wie hoch ist die AFP-Förderung für die Integration in bestehende Gebäude?

Die Förderung durch das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) für Massnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit verbessern, liegt je nach Bundesland und Art der Massnahme zwischen 20 % und 40 % der förderfähigen Investitionskosten. Dies gilt auch für die Integration neuer Technik in bestehende Gebäude.

Geschrieben von Dr. Thomas Müller, Dr. Thomas Müller ist promovierter Agraringenieur der Universität Hohenheim mit Spezialisierung auf Verfahrenstechnik. Er berät Ackerbaubetriebe seit über 15 Jahren bei der Planung von Getreidelagern, Kartoffelsortieranlagen und der Implementierung von ISOBUS-Systemen. Sein Fokus liegt auf der technischen Effizienzsteigerung und dem Vorratsschutz.