Vielfältige Zwischenfruchtmischung auf deutschem Ackerboden mit verschiedenen Pflanzenarten vor Frostperiode
Veröffentlicht am Mai 10, 2024

Die strategische Auswahl artenreicher Zwischenfruchtmischungen ist der grösste Hebel für Bodenfruchtbarkeit und Ertragssteigerung – weit mehr als nur eine Greening-Pflicht.

  • Artenreiche Mischungen erzeugen signifikant mehr Biomasse (über- und unterirdisch) und speichern mehr Nährstoffe als reiner Senf.
  • Die Angst vor Wasserentzug ist meist unbegründet; eine gute Durchwurzelung verbessert die Wasserhaltefähigkeit des Bodens nachhaltig.

Empfehlung: Betrachten Sie das Saatgut für die Zwischenfrucht nicht als Kostenfaktor, sondern als die erste und wichtigste Investition in die Ernte des Folgejahres.

Der Mähdrescher ist vom Feld und hinterlässt die Stoppeln einer langen Saison. Jetzt steht eine entscheidende Frage im Raum: Was passiert als Nächstes mit dem Acker? Für viele ist die Antwort durch die Greening-Vorgaben der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) und die GLÖZ-Standards vorgegeben: eine Zwischenfrucht muss her. Die schnelle, scheinbar einfache Lösung lautet oft, eine günstige Reinsaat wie Senf auszubringen, um die Pflicht zu erfüllen. Damit ist die bürokratische Hürde genommen, doch das enorme Potenzial, das in dieser Phase des Anbaujahres steckt, bleibt ungenutzt.

Was aber, wenn wir die Zwischenfrucht nicht als lästige Pflicht, sondern als das mächtigste ackerbauliche Werkzeug im Herbst begreifen? Wenn wir sie als eine bewusste strategische Investition in die Gesundheit unseres Bodens und den Erfolg der nächsten Hauptkultur sehen? Die Wahrheit ist, dass die Zeit zwischen den Ernten die perfekte Gelegenheit ist, um aktiv Boden-Architektur zu gestalten, den Nährstoff-Tresor für das Frühjahr zu füllen und die Resilienz des gesamten Anbausystems zu stärken. Es geht um mehr als nur Bodenbedeckung; es geht um ackerbauliche Intelligenz.

Dieser Artikel bricht mit der reinen Pflichterfüllung. Er zeigt Ihnen, wie Sie durch die richtige Auswahl und das richtige Management von Zwischenfrüchten Ihren Boden gezielt verbessern, den Wasserhaushalt optimieren, Nährstoffe effektiv konservieren und am Ende sogar die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebs steigern. Wir tauchen tief in die Materie ein, von der Überlegenheit artenreicher Mischungen über das Management üppiger Bestände ohne Glyphosat bis hin zur intelligenten Nutzung von Fördermassnahmen.

Warum artenreiche Mischungen mehr Biomasse bringen als reiner Senf

Die Vorstellung, dass eine schnelle und günstige Senf-Reinsaat für die Bodenbedeckung ausreicht, ist eine der hartnäckigsten Vereinfachungen im Ackerbau. Sie erfüllt zwar die Mindestanforderung, lässt aber das immense Potenzial für den Humusaufbau und die Bodenstruktur ungenutzt. Die wahre Kraft zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit liegt in der Vielfalt. Artenreiche Mischungen, die verschiedene Pflanzenfamilien mit unterschiedlichen Wurzelsystemen kombinieren (z. B. tiefwurzelnde Ölrettiche, faserwurzelige Gräser und knöllchenbildende Leguminosen), erschliessen den Boden in ganz anderen Dimensionen.

KWS Exaktversuch Einbeck: Mischungen steigern Maiserträge

Ein Versuch am Standort Einbeck (2023-2024) hat die Vorteile von Zwischenfrucht-Mischungen eindrucksvoll belegt. Gegenüber einer Schwarzbrache reduzierten die Mischungen den Reststickstoff im Boden vor Winter erheblich und schützten so vor Auswaschung. Während bei der Brache-Variante rund 55 kg Stickstoff pro Hektar in tiefere Schichten verlagert wurden, banden die Zwischenfrüchte diesen wertvollen Nährstoff. Das Ergebnis im Folgejahr: Ein enormer Ertragsvorsprung beim Körnermais in den Varianten mit Zwischenfrucht-Mischung.

Jede Art spielt ihre Rolle: Während der Ölrettich mit seiner Pfahlwurzel tiefe Bodenschichten aufbricht und Verdichtungen lockert, bildet Phacelia ein feines, dichtes Wurzelnetzwerk in der obersten Schicht, was die Krümelstabilität verbessert und vor Erosion schützt. Diese komplementären Effekte führen zu einer deutlich höheren Gesamtbiomasse, sowohl über als auch unter der Erde. Wissenschaftliche Auswertungen bestätigen, dass die Wurzelbiomasse und Nährstoffaufnahme mit der Artenvielfalt steigen, wie das CATCHY-Projekt zeigt. Diese erhöhte Biomasse ist die Grundlage für den Humusaufbau und ein aktives Bodenleben.

Saug die Zwischenfrucht dem Weizen das Wasser weg? Die Wahrheit über den Wasserhaushalt

Die Sorge ist verständlich und wird in jedem trockenen Herbst lauter: Verbraucht eine üppige Zwischenfrucht nicht all das wertvolle Wasser, das die nachfolgende Hauptkultur, wie der Winterweizen, so dringend für die Etablierung im Frühjahr benötigt? Diese Frage ist einer der Hauptgründe, warum Landwirte zögern, in gute Zwischenfruchtbestände zu investieren. Doch die Realität ist komplexer und oft genau das Gegenteil von dem, was befürchtet wird.

Kurzfristig verbraucht eine wachsende Pflanzendecke natürlich Wasser. Langfristig ist der Effekt jedoch ein positiver und entscheidender Baustein im Wasser-Bilanz-Management. Ein gut durchwurzelter Boden entwickelt eine stabile, poröse Struktur, die wie ein Schwamm wirkt. Die Wurzelkanäle, Regenwurmgänge und die verbesserte Aggregatstabilität erhöhen die Infiltrationsrate bei Starkregen erheblich. Das Wasser kann schneller eindringen, anstatt oberflächlich abzufliessen. Gleichzeitig erhöht der steigende Humusgehalt die Wasserhaltekapazität des Bodens. Das bedeutet, dass mehr Wasser im Boden gespeichert und für die Hauptkultur verfügbar gemacht wird.

Wie das Bild der durchwurzelten Erde zeigt, entsteht ein Gefüge aus Poren und Kanälen, das Wasser aufnimmt und speichert. Diese verbesserte Bodenstruktur ist die beste Versicherung gegen Trockenperioden. Zudem schützt die Mulchschicht der abgefrorenen Zwischenfrucht den Boden im Frühjahr vor unproduktiver Verdunstung. Versuche der Universität für Bodenkultur Wien in typischen Trockengebieten Österreichs haben gezeigt, dass in der überwiegenden Mehrheit der Fälle keine negativen Ertragsreaktionen auftraten; 85,1 % der Körnermaisschläge zeigten keinerlei Ertragseinbussen durch den vorangegangenen Zwischenfruchtanbau.

Wie viel Stickstoff speichert eine gut entwickelte Zwischenfrucht wirklich für das Frühjahr?

Stickstoff ist der Motor des Pflanzenwachstums und gleichzeitig einer der grössten Kostenfaktoren in der Düngung. Nach der Ernte verbleiben oft erhebliche Mengen an mineralischem Stickstoff (Nmin) im Boden, die durch winterliche Niederschläge aus dem Wurzelraum ausgewaschen und somit für die Folgekultur verloren gehen können. Dieser Verlust ist nicht nur ökonomisch schmerzhaft, sondern belastet auch die Umwelt. Hier kommt die Zwischenfrucht als biologischer Nährstoff-Tresor ins Spiel.

Eine gut entwickelte, rechtzeitig gesäte Zwischenfruchtmischung agiert wie ein lebendiger Speicher. Die Pflanzen nehmen den verfügbaren Stickstoff aus dem Boden auf und binden ihn in ihrer Biomasse. Besonders Nicht-Leguminosen wie Ölrettich, Senf oder Phacelia sind wahre Meister darin, Reststickstoff zu „recyceln“ und vor der Auswaschung zu bewahren. Leguminosen wie Klee, Wicken oder Erbsen gehen noch einen Schritt weiter: Sie können über ihre Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden und dem System zusätzlich zuführen.

Die Menge des gespeicherten Stickstoffs kann beachtlich sein. Abhängig von Aussaatzeitpunkt, Witterung und Mischungspartnern können Zwischenfrüchte Speicherleistungen von 100 bis 150 kg N/ha im oberirdischen Aufwuchs erreichen. Rechnet man die in den Wurzeln gebundene Menge hinzu, wird das enorme Potenzial deutlich. Dieser Stickstoff ist nicht verloren. Sobald die Zwischenfrucht im Winter abfriert oder im Frühjahr eingearbeitet wird, beginnt der mikrobielle Abbau der organischen Substanz. Der gebundene Stickstoff wird langsam mineralisiert und steht der nachfolgenden Hauptkultur genau dann zur Verfügung, wenn deren Bedarf im Frühjahr und Frühsommer ansteigt – eine Form der natürlichen, synchronisierten Düngung.

Wie Sie üppige Bestände im Frühjahr ohne Glyphosat sauber in den Boden einarbeiten

Ein üppiger, wüchsiger Zwischenfruchtbestand ist im Herbst ein erfreulicher Anblick – im Frühjahr kann er jedoch zur Herausforderung werden, besonders wenn auf Glyphosat verzichtet werden soll oder muss. Winterharte Arten oder ein milder Winter können dazu führen, dass eine dichte, grüne Matte die Saatbettbereitung erschwert. Doch mit der richtigen Technik und dem richtigen Timing lässt sich auch diese Herausforderung rein mechanisch meistern und in einen Vorteil für die Folgekultur verwandeln.

Der Schlüssel liegt darin, die Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt zu schwächen und den Frost als Verbündeten zu nutzen. Eine Bearbeitung bei gefrorenem Boden schont die Struktur und maximiert die Wirkung. Der folgende Plan zeigt eine bewährte Methode, um auch massive Bestände sauber und effizient zu managen, wie sie im Nordzucker-Versuch in Grossalsleben erfolgreich demonstriert wurde. Dort wurde gezeigt, dass selbst vor einer anspruchsvollen Kultur wie der Zuckerrübe ein Zwischenfruchtanbau ohne Stickstoffdüngung und ohne Glyphosat möglich ist und zu gleichen positiven Effekten auf Entwicklung und Ertrag führt.

Ihr Plan zur mechanischen Einarbeitung ohne Glyphosat

  1. Bei Frost walzen: Nutzen Sie Temperaturen um -5°C und gefrorenen Boden. Fahren Sie mit einer Cambridge- oder Messerwalze über den Bestand. Das Quetschen der gefrorenen Pflanzenstängel führt zu Zellschäden und beschleunigt das Absterben, ohne den Boden zu verschmieren.
  2. Abtrocknen und frieren lassen: Lassen Sie den gewalzten Bestand an der Oberfläche abtrocknen. Weitere Frostnächte verstärken den Effekt und führen zum vollständigen Absterben der Pflanzen.
  3. Messerwalze im Frühjahr (März): Setzen Sie bei Bedarf eine Messerwalze (z.B. Horsch Cultro) ein, um die organische Masse zu zerkleinern. Besonders bei zähen Arten wie Senf oder Ölrettich kann dieser Schritt entscheidend sein. Gegebenenfalls kann eine Kreiselegge folgen.
  4. Flache Saatbettbereitung: Arbeiten Sie die abgetrockneten Pflanzenreste mit einer Kurzscheibenegge oder Scheibenegge flach (5-7 cm tief) ein. Dies schafft ein ideales, feinkrümeliges Saatbett für die Sommerung.
  5. Direkte Aussaat der Folgefrucht: Säen Sie direkt im Anschluss in den vorbereiteten Boden. Eventuell wieder austreibende Pflanzenreste sind meist so geschwächt, dass sie von der Hauptkultur unterdrückt oder mit der ersten regulären Herbizidmassnahme in der Hauptkultur erfasst werden.

Welche KULAP-Massnahmen zahlen Ihnen den Zwischenfruchtanbau am besten?

Strategischer Zwischenfruchtanbau ist nicht nur gut für den Boden, sondern kann auch direkt die Betriebseinnahmen stützen. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und länderspezifische Förderprogramme wie das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) in Bayern oder vergleichbare Agrarumwelt- und Klimamassnahmen (AUKM) in anderen Bundesländern honorieren landwirtschaftliche Praktiken, die über den Standard hinausgehen. Wer die Regeln kennt, kann seine ackerbauliche Strategie mit den Förderkulissen synchronisieren und wird für gutes Management belohnt.

Ein zentrales Element ist die Anrechnung von Zwischenfrüchten als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) im Rahmen des Greenings. Um als ÖVF anerkannt zu werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. In der Regel fordert die EU den Anbau von Mischungen aus mindestens zwei verschiedenen Arten. Dabei darf keine einzelne Art einen Anteil von mehr als 60 % an der Saatgutmischung haben. Diese Vorgabe deckt sich perfekt mit der ackerbaulichen Erkenntnis, dass diverse Mischungen Reinsaaten überlegen sind.

Die Anrechenbarkeit ist attraktiv: Zwischenfruchtmischungen werden mit einem Faktor von 0,3 auf die geforderte ÖVF-Fläche angerechnet. Das bedeutet, ein Hektar Zwischenfruchtanbau zählt wie 0,3 Hektar ökologische Vorrangfläche. Darüber hinaus bieten viele Bundesländer im Rahmen ihrer KULAP- oder AUKM-Programme zusätzliche Prämien für den Anbau besonders vielfältiger Mischungen (z.B. mit mehr als fünf Arten), den Verzicht auf mineralische Düngung oder den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel in der Zwischenfrucht. Es lohnt sich, die spezifischen Anforderungen und Fördersätze des eigenen Bundeslandes genau zu prüfen und die Zwischenfruchtmischung gezielt darauf auszurichten.

Welche Kulturen erfüllen die Pflicht zur winterlichen Bodenbedeckung am günstigsten?

Die Frage nach den Kosten ist für jeden Betriebsleiter zentral. Bei der Auswahl der Zwischenfrucht zur Erfüllung der winterlichen Bodenbedeckung (z.B. im Rahmen von GLÖZ 6) darf jedoch nicht nur der reine Saatgutpreis im Vordergrund stehen. Ein strategischer Landwirt betrachtet die Gesamtkosten des Systems (Total Cost of Ownership), die auch die Kosten für den Umbruch im Frühjahr und die Auswirkungen auf die Folgefrucht umfassen.

Grundsätzlich stehen sich zwei Strategien gegenüber: der Anbau von sicher abfrierenden Mischungen und der Anbau von winterharten Arten (wie Wintergetreide oder winterhartes Weidelgras). Beide haben ihre Berechtigung, unterscheiden sich aber erheblich in ihrem Kosten- und Managementprofil. Abfrierende Mischungen aus Phacelia, Lein, Ramtillkraut oder bestimmten Senf- und Rettichsorten bieten den Vorteil, dass sie bei ausreichend Frost von selbst verschwinden und im Frühjahr nur minimale Bodenbearbeitung erfordern. Dies spart Zeit, Diesel und Maschinenkosten. Demgegenüber stehen winterharte Arten, die zwar oft eine noch intensivere Durchwurzelung und Erosionsschutz im Winter bieten, im Frühjahr aber einen aktiven Umbruch erfordern, sei es mechanisch oder chemisch. Dies führt zu zusätzlichen Kosten und kann in trockenen Frühjahren zu Wasserkonkurrenz führen.

Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Kosten- und Nutzenpositionen gegenüber und hilft bei der strategischen Entscheidung, wie eine Analyse von Nutrinet zeigt.

Kosten-Nutzen-Vergleich: Abfrierende vs. winterharte Zwischenfrüchte
Kostenposition Abfrierende Mischung Winterharte Mischung/Wintergetreide
Saatgutkosten Niedriger bis mittel Mittel bis höher
Umbruchkosten Frühjahr Gering (Walzen ca. 25 €/ha, Mulchen ca. 50 €/ha) Höher (zusätzliche mechanische/chemische Bekämpfung nötig)
Wasserkonkurrenz zur Folgefrucht Keine (bei sicherem Abfrieren) Möglich (besonders in Trockenjahren)
N-Freisetzung Frühjahr Früher einsetzende Mineralisation Verzögerte N-Nachlieferung, N bleibt länger konserviert
Gesamt-TCO (Total Cost of Ownership) Niedriger bei milden Wintern Höher durch Frühjahrsmanagement

Weidelgras oder Rotschwingel: Welche Art überlebt den Schatten im Maisbestand?

Die Etablierung einer Untersaat im Mais ist eine Königsdisziplin des Ackerbaus. Sie bietet enorme Vorteile: lückenloser Erosionsschutz nach der Maisernte, Bindung von Reststickstoff über den Winter und eine verbesserte Befahrbarkeit der Flächen zur Erntezeit. Laut Landwirtschaftskammer NRW ist auf leichten Standorten die Untersaat im Mais unerlässlich, um Nährstoffverluste zu minimieren. Doch die grösste Herausforderung ist das Licht: Welche Grasart ist tolerant genug, um im dichten Schatten eines reifenden Maisbestandes zu überleben und sich zu etablieren?

Die Wahl der richtigen Grasart ist entscheidend für den Erfolg. Hier gibt es deutliche Unterschiede in der Schattentoleranz. Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) ist sehr konkurrenzstark und wüchsig, benötigt aber relativ viel Licht, besonders in der Jugendphase. Es eignet sich gut, wenn der Maisbestand etwas lichter ist oder die Aussaat spät erfolgt. Eine deutlich schattenverträglichere Alternative ist der Rotschwingel (Festuca rubra). Er entwickelt sich anfangs langsamer und tritt dadurch weniger in Konkurrenz zum Mais, kann aber auch bei geringerem Lichteinfall überleben und nach der Ernte einen dichten Teppich bilden. Andere Optionen sind das einjährige Weidelgras (Lolium multiflorum) für eine schnelle Entwicklung oder das Welsche Weidelgras, das eine hohe Biomasseleistung bringt.

Die Entscheidung zwischen Weidelgras und Rotschwingel hängt vom Standort, dem Aussaatzeitpunkt und der angestrebten Nutzungsintensität ab. Oft ist eine Mischung aus beiden eine gute Strategie, um die Vorteile beider Arten zu kombinieren und das Risiko zu streuen. Die Untersaat bleibt bis zum Reihenschluss des Maises klein und unscheinbar, um dann, wenn der Mais abreift und mehr Licht zum Boden durchlässt, ihre Entwicklung zu starten und den Boden für den Winter zu rüsten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Strategie vor Pflicht: Behandeln Sie die Zwischenfrucht als Investition in die nächste Ernte, nicht nur zur Erfüllung von Vorschriften.
  • Vielfalt schlägt Einfalt: Artenreiche Mischungen sind Reinsaaten in Bezug auf Biomassebildung, Bodengesundheit und Nährstoffspeicherung überlegen.
  • Wasserhaushalt als Chance: Eine gute Durchwurzelung verbessert die Wasseraufnahme und -speicherung des Bodens und macht das System resilienter gegen Trockenheit.

Wie etablieren Sie Grasuntersaaten im Mais ohne Konkurrenz zur Hauptkultur?

Die erfolgreiche Etablierung einer Grasuntersaat im Mais erfordert eine präzise Taktik. Das Ziel ist es, der Untersaat genügend Vorsprung für eine sichere Entwicklung zu geben, ohne dass sie in der kritischen Jugendphase des Maises zu einer Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe wird. Der richtige Zeitpunkt und die richtige Methode sind hierfür entscheidend. Moderne Technik und angepasste Düngestrategien bieten heute vielfältige Möglichkeiten, dieses empfindliche Gleichgewicht zu meistern.

Die Wahl der Etablierungsmethode hängt stark von der betrieblichen Ausstattung, der Witterung und der Risikobereitschaft ab. Eine frühe Saat spart einen Arbeitsgang, birgt aber das Risiko der Konkurrenz. Eine späte Saat minimiert die Konkurrenz, erfordert aber einen zusätzlichen Überfahrt. Hier sind die gängigsten Methoden im Überblick:

  • Methode 1: Aussaat zusammen mit dem Mais: Die Aussaat des Grases erfolgt im selben Arbeitsgang wie die Maissaat. Dies spart Zeit und Kosten, erhöht aber das Konkurrenzrisiko in der Jugendphase des Maises, besonders bei trockener Witterung im Frühjahr.
  • Methode 2: Spätere Aussaat im 4- bis 6-Blatt-Stadium: Dies ist die klassische und sicherste Methode. Der Mais hat bereits einen deutlichen Entwicklungsvorsprung und ist weniger anfällig für Konkurrenz. Die Aussaat erfolgt mit einem speziellen Streuer oder einer Sämaschine zwischen den Maisreihen.
  • Methode 3: Einsatz moderner Technologien: Drohnen oder Stelzenschlepper ermöglichen eine sehr späte und präzise Aussaat der Untersaat auch in hohen Maisbeständen. Dies bietet maximale Flexibilität im Aussaatzeitfenster und vermeidet Bestandsschäden.
  • Methode 4: Angepasste N-Düngung: Verfahren wie die CULTAN-Düngung, bei der der Stickstoff als Depot direkt an die Maiswurzel platziert wird, minimieren die Nährstoffkonkurrenz. Der Dünger steht primär dem Mais zur Verfügung, während die Untersaat sich verhaltener entwickelt.

Letztendlich ist der erfolgreiche Zwischenfruchtanbau keine Frage des „Ob“, sondern des „Wie“. Es ist die Summe vieler kleiner, aber bewusster Entscheidungen, die aus einer reinen Pflicht eine der profitabelsten Massnahmen für die Bodengesundheit und die langfristige Ertragssicherheit Ihres Betriebes machen. Die ackerbauliche Intelligenz, die Sie hier investieren, zahlt sich über Jahre aus.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Zwischenfrucht nicht mehr nur als Kostenpunkt, sondern als zentrales strategisches Element Ihrer Fruchtfolge zu planen. Analysieren Sie Ihre Böden, definieren Sie Ihre Ziele und wählen Sie die Mischung, die Ihren Betrieb wirklich voranbringt.

Geschrieben von Markus Hofer, Markus Hofer hält einen Masterabschluss in Pflanzenbauwissenschaften und verfügt über 14 Jahre Erfahrung als Versuchstechniker und Anbauberater. Er ist Experte für pfluglose Bodenbearbeitung, Zwischenfruchtanbau und integrierten Pflanzenschutz. Sein Ansatz verbindet Ertragssicherung mit nachhaltigem Humusaufbau.